Dr. Andreas Giger
Lebensqualität
Das Wertschöpfungsprinzip
der Zukunft
Key Notes: Sieben Thesen und
ihre Begründung als Einstieg und Zusammenfassung der Studie
1. Die klassischen
Wertschöpfungsprinzipien "Bedürfnisse" und "Wünsche"
führen in die Sättigungsfalle
Dem guten alten Marketing
fällt nichts mehr ein außer "more of the same": noch mehr
Zeitungsbeilagen im Geizlook, noch mehr belanglose Spots, noch mehr
übergriffige Bettelbriefe, noch mehr aggressive Anrufe, noch mehr
peinliche E-Mails. Und schon wird nach noch härteren Hämmern
gerufen. Den neutralen Beobachter überkommt der Verdacht, die seien
alle ziemlich behämmert.
Oder aber verzweifelt. Weil
sie je länger je weniger verdrängen können, dass die
klassischen Wertschöpfungsprinzipien in absehbarer Zeit unweigerlich
in die Sättigungsfalle führen, die von drei Seiten her zuschnappt
und die bisher wirksamen Wachstumsimpulse massiv bremst:
Schrumpfende Märkte:
Die demografische Kurve zeigt im guten alten Europa mittel- und langfristig
nach unten. Nur noch die Altersgruppe über 50 wächst, doch
dort ersetzt der Bedarf nach Qualität zunehmend jenen nach Quantität.
Gesättigte Bedürfnisse:
Die materiellen Grundbedürfnisse der Menschen sind hier zu Lande
weitgehend abgedeckt. Niemand kann mehr als ein Paar Schuhe aufs Mal
tragen, und außer Nicolas Hayek braucht auch niemand mehr als
eine Uhr am Handgelenk.
Ende der Wunschinflation:
Wie im Bereich des Geldwertes wird eine lernende Gesellschaft auch das
Phänomen der Wunschinflation in der Griff bekommen und erkennen,
dass mehr Konsum nicht mehr Lebensqualität bewirkt, sondern dass
im Gegenteil weniger oft mehr ist. Erschwerend kommt hinzu, dass jener
Anteil an finanziellen Mitteln, der für die Kür, also den
freien Konsum für die Erfüllung von Wünschen, zur Verfügung
steht, angesichts wachsender Kosten für die individuellen wie kollektiven
Verpflichtungen eher schrumpfen als wachsen wird.
Die Sättigungsfalle
ist somit für eine Wirtschaft, die auf den Wertschöpfungsprinzipien
"Bedürfnisse" und "Wünsche" aufbaut, durchaus real: Die Grenzen
des Wachstums sind absehbar.

Die Sättigungsfalle
2. Der
Ausweg aus der Sättigungsfalle liegt im Wertschöpfungsprinzip
"Werte"
Das Wertschöpfungsprinzip
Werte ist ganz einfach: Immaterielle Werte werden gegen materielle Werte
eingetauscht.
Das funktioniert seit uralten
Zeiten: Schon die Höhlenbewohner haben Stammesgenossinnen und -genossen
durchgefüttert, die in Form von schön geschmückten Kleidern
oder Ehrfurcht gebietenden Wandmalereien keinerlei zum Überleben
taugliche materielle Werte schufen, sondern einen so ausschließlich
immateriellen wie Schönheit. Oder solche, die Wissen von fernen
Gegenden und Zeiten verbreiteten, das über das unerlässliche
Grundwissen weit hinausging. Oder solche, die mit ihren Erzählungen
und Erklärungen eine Verbindung zu höheren Dimensionen herstellten
und damit einen so abstrakten Wert wie Sinn stifteten.
Aus diesen Anfängen
hat sich eine eigentliche Wertewirtschaft entwickelt, die Werte schöpft,
indem sie Werte "produziert" und verkauft. Werte wie Sicherheit, Verlässlichkeit,
Schönheit, Qualität, Klarheit, Orientierung, Sinn, Seelenheil,
gutes Gewissen, Gesundheit, Lebensfreude, Respekt. Die Liste lässt
sich beliebig verlängern.
Dazu kommt, dass Werte auch
bei den Geschäften mit Bedürfnissen und Wünschen eine
wichtige Rolle spielen: Die Geschäftspartner müssen sich gegenseitig
darauf verlassen können, dass der andere bestimmte Grundwerte wie
Verlässlichkeit, Fairness oder Respekt teilt und anwendet.
Die Wertewirtschaft ist längst
Tatsache, sie erzeugt schon heute größere Teile aller Wertschöpfung.
Das funktioniert unabhängig davon, dass es nach wie vor weitgehend
unbewusst geschieht - was bisher so manches Potenzial, das im
Wertschöpfungsprinzip Werte liegt, unentdeckt gelassen hat.
Positiv gedeutet heißt
das: Im Wertschöpfungsprinzip Werte stecken noch ungeahnte Wachstumspotenziale.

Ausweg
aus der Sättigungsfalle
3. Die
Logik der Individualisierung führt zu einer Aufwertung der Werte
Bis etwa 1970 war das Leben
der meisten Menschen in Mitteleuropa geprägt von der Formel: wenig
Optionen / viel Orientierung. Das Leben verlief in mehr oder weniger
vorgegebenen Bahnen, frei wählbare Abzweigungen waren rar. Dafür
war die Orientierung einfach: sich an die gegebenen Verhältnisse
anpassen, war der oberste Leitwert. Zu dessen Umsetzung diente ein Kanon
von Werten, der ebenfalls vorgegeben war, durch Kirche, Staat und Gesellschaft.
Erst danach wurde die zu
Recht "Megatrend" genannte Individualisierung breitenwirksam. Die Zahl
der Wahlmöglichkeiten (Optionen) wuchs rasant, und ebenso rapide
schwand der Einfluss jener Instanzen, die früher für allgemein
verbindliche Werte gesorgt hatten. Das Individuum hatte fortan selber
für seine Werte zu sorgen - und wusste nicht so recht wie. Höhepunkt
dieser Orientierungslosigkeit war die Phase der New Economy, in der
sich alle an den letzten verblieben Wert klammerten, den materiellen
in Form von Mammon. Das Orientierungsvakuum war perfekt.
Was folgt danach ? Der Drang
nach immer noch mehr Optionen scheint gebremst, viele Menschen haben
schon genug oder gar zu viel Wahlmöglichkeiten. Dagegen drängt
jedes Vakuum danach, gefüllt zu werden, also auch das Orientierungsvakuum.
Deshalb ist der "O-Attraktor", also jener Punkt, der die künftige
Entwicklung anzieht, klar positioniert: Nur noch wenig Zuwachs an Optionen,
dagegen viel an Orientierung.
Werte sind genau das: Orientierungshilfen
im Dschungel der Wahlmöglichkeiten. Wir alle sind zu Lebensgestaltern
geworden und werden es noch mehr werden - wie gewollt, sei dabei dahingestellt.
Lebensgestaltung aber braucht Orientierung, braucht Entscheidungskriterien.
Werte also. Eigene, individuelle,
persönliche Werte, die jede und jeder Einzelne selber auswählen
und zusammenstellen darf und muss. Deshalb führt der O-Attraktor
zur Aufwertung der Werte.

Der O-Attraktor
4. Die
Zersplitterung des Werteuniversums ruft nach einem starken Zentrum
Das Angebot im Supermarkt
der Werte ist ebenso unübersichtlich geworden wie jenes an Zahnpastamarken
oder Joghurtsorten. Es wird genährt aus allen Ecken und Epochen
der Welt. Wie soll man da für seinen eigenen Wertecocktail die
richtige Auswahl an Zutaten treffen und die richtigen Mischverhältnisse
finden ? Und wie soll man jenes kleine geheimnisvolle Elixier beibringen,
welches das Ganze zum unverwechselbaren Eigenen mit dem besonderen Extra
macht ?
Das Individuum ist durch
die neue Unübersichtlichkeit im Universum der Werte zunächst
überfordert und verwirrt, leidet unter der Qual der Wahl. Das ist
nicht weiter erstaunlich, wenn man bedenkt, wie kurz die Zeit bisher
war, sich an die völlig neuen Anforderungen im Zeitalter der Individualisierung
anzupassen, und jene Fähigkeiten zu entwickeln, die zur Orientierung
bei der eigenen Lebensgestaltung nötig sind.
Die Geschichte der bisherigen
kulturellen Evolution hält jedoch tröstliche Erfahrung bereit,
die hoffen lässt: Demnach sind solche Phasen der Verwirrung und
Zersplitterung immer auch Phasen des evolutionären Lernens, in
dessen Verlauf sich schließlich eine neue Ordnung auf höherer
Ebene entwickelt. Die gegenwärtige Verwirrung wäre also nichts
anderes als eine Übergangsphase, an deren Ende sich bereits eine
neue Klarheit abzeichnet.
Solange im Werteuniversum
selber Chaos herrscht, taugen Werte nur bedingt als Orientierungshilfen.
Die evolutionäre Logik braucht jedoch die Werte als Orientierungs-
und Entscheidungskriterien der freien und eigenverantwortlichen Individuen.
Sie wird sich deshalb zwingend eine neue Ordnung im Chaos der Werte
ausdenken.
Diese Ordnung wird nicht
hierarchisch organisiert sein, mit einem einzelnen Werteboss an der
Spitze, der im Zweifelsfall entscheidet. Vielmehr ist zu erwarten, dass
sich das Werteuniversum um ein Zentrum in Form eines Leitwerts herum
ordnen und vernetzen wird.

Das schwarze
Loch im Zentrum des Werteuniversums
5. Lebensqualität
ist der ideale Leitwert
Sieben durch SensoNet empirisch
begründete Gründe für die Eignung von Lebensqualität
als Leitwert im Zentrum des Werteuniversums:
Lebensqualität eignet
sich als Richtschnur für Lebensgestaltung: "Lebensqualität
wird immer mehr zum Leitwert meiner eigenen Lebensgestaltung" - "...
wird für immer mehr Menschen zum obersten Leitwert": Das sind Szenarios
von höchster Attraktivität.
Lebensqualität betrifft
das (ganze) Leben: Die eigene Positionierung in Raum und Zeit, die
eigenen Tätigkeitsfelder, das menschliche Umfeld - Lebensqualität
betrifft alle Lebenssphären und bündelt sie zum ganzheitlichen
eigenen Leben.
Lebensqualität verbindet
und lässt individuelle Spielräume: Lebensqualität
lässt sich nur individuell definieren, leben und spüren, und
kann trotzdem zum verbindenden Ziel werden.
Lebensqualität ist
wandlungsfähig: Das Konzept Lebensqualität ist nicht abschliessend
definiert, sondern kann sich dem Wandel der Zeitläufte anpassen.
Lebensqualität ist
optimierbar: Das Optimum der eigenen Lebensqualität ist noch
nicht erreicht - was einen enormen Antrieb zur Optimierung bildet.
Lebensqualität ist
lernbar: Lebensgestaltung in Freiheit und Eigenverantwortung mit
der generellen Zielrichtung von mehr Lebensqualität: das lässt
sich lernen.
Lebensqualität liegt
im Trend: Der allgemeine Shift von Quantität zu Qualität,
der Simplify-Trend, der Wellness-Boom, die wachsende Attraktivität
von Reife und Weisheit: alles passt:
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Ideale Richtschnur
für Lebensgestaltung
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Betrifft das
(ganze) Leben
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Verbindet und
lässt individuelle Spielräume
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Ist wandlungsfähig
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Ist optimierbar
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Ist lernbar
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Liegt im Trend
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Lebensqualität
ist idealer Leitwert
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Checkliste
für Lebensqualität als Leitwert
6. Alle
wirklich profitablen Märkte der Zukunft sind Lebensqualitätsmärkte
Ein Wert ist letztlich
nichts anderes als etwas, das mir wichtig, das mir etwas wert
ist. Wieviel mir ein Wert wert ist, entscheidet darüber, wieviel
ich an Zeit, Aufmerksamkeit und Geld investiere, um den Wert zu realisieren.
Das gilt auch und gerade für Konsumentscheide, die somit eng gekoppelt
sind mit den Werten der Konsumentinnen und Konsumenten.
Wenn nun Lebensqualität
mehr und mehr zum Wert aller Werte, zum Leitwert im Zentrum des Werteuniversums
wird, dann werden Konsumentscheide mehr und mehr von einer Frage beherrscht:
Verbessert dieses Angebot
meine Lebensqualität, oder vermindert es sie ?
Die wichtigste marktwirtschaftliche
Spielregel der Zukunft wird deshalb hart, aber gerecht sein: Wer die
Lebensqualität seiner Kunden beeinträchtigt, fliegt raus.
Wer sie verbessert, wird belohnt.
Die wichtigsten Lebensqualitätskiller
sind: Zeitklau. Mangelnder Respekt vor dem Kunden. Beleidigungen für
Auge und/oder Verstand. Alles, was nicht benutzerfreundlich ist. Mangelnde
Durchschaubarkeit von Angeboten.
Lebensqualität verbessern
kann alles, was das seelische und körperliche Wohlsein fördert,
was das eigene Wissen vermehrt, alles, auf das man sich wirklich verlassen
kann, was mehr "Eigenzeit" bringt, was wirklich Qualität hat und
ist, was das Leben angenehmer, leichter und einfacher macht, was das
Beziehungsnetz wachsen lässt, was Stress vermindert und verhindert
und was in der "Kunst des Lebens" weiter hilft.
Die zentrale Frage vor jedem
Kaufentscheid wird in Zukunft heißen: Gerät mein Lebensqualitätskonto
dadurch ins Minus oder ins Plus ? Und dieser Saldo fließt direkt
in die Bilanz der Anbieter ein.

Das Wertschöpfungsprinzip
der Lebensqualitätsmärkte
7. Das
Wertschöpfungsprinzip Lebensqualität beginnt im eigenen Kopf
Wer sich in den Kopf seiner
aktuellen und künftigen Kunden hinein versetzen will, versetzt
sich am besten in den eigenen Kopf. Denn, wie SensoNet weiß, gilt:
"Was Lebensqualität ist, kann jeder(r) nur für sich sagen."
Das bedeutet allerdings nicht,
dass in den Köpfen anderer nicht ebenfalls viel Wissenswertes über
Lebensqualität und wie man sie verbessert oder vermindert, steckt,
Wissen, das allen Anbietern helfen kann, die Lebensqualität ihrer
Kunden zu fördern statt sie zu vermiesen. Besonders wertvoll wird
dieses Wissen dann, wenn es, wie in unserem Falle, eine Ahnung davon
vermittelt, wie morgen und übermorgen die Mehrheit der Konsumentinnen
und Konsumenten ticken wird.
Ginge es nach den Wünschen
der StaatsbürgerInnen und KonsumentInnen, so müsste Lebensqualität
in der Gesellschaftspolitik wie in den Märkten zur obersten Richtschnur
werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Szenarios Wirklichkeit werden,
wird allerdings sehr viel geringer eingeschätzt als ihre Wünschbarkeit.
Aus dieser Lücke entstehen Marktlücken und damit Wachtumspotenziale.
Für immer mehr Anbieter
von Waren, Diensten und Werten wird sich in Zukunft die Frage nicht
mehr stellen, ob sie in die Lebensqualitätsmärkte eintreten
wollen oder nicht. Vielmehr werden sie automatisch hineingesogen, weil
sich immer mehr Märkte zu Lebensqualitätsmärkten entwickeln.
Und geraten dort, je nach dem Lebensqualitätsgehalt ihres Angebots,
in eine abwärts oder in eine aufwärts führende Spirale.
Bevor das Wertschöpfungskonzept
Lebensqualität genutzt werden kann, will es verstanden werden.
Die folgende Studie liefert eine vertiefte Kartographie einer Landschaft,
die von immer mehr Menschen betreten und erkundet wird. Und ist deshalb
mit Vorsicht zu genießen: Die Lektüre der Studie könnte
Sie auch zu Gedanken über Ihre eigene Lebensqualität anregen...