Was
heisst eigentlich "gesund" ?
Wovon
reden wir eigentlich, wenn wir von "Gesundheit" sprechen
? Die Frage mag akademisch klingen, ist es aber nicht: Wenn wir Gesundheit
etwa als Abwesenheit ernsthafter Erkrankungen definieren, werden wir
leichtere Störungen unseres Befindens klaglos hinnehmen und uns
nicht weiter darum kümmern. Verstehen wir unter Gesundheit jedoch
umfassendes körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden,
wird schon die kleinste Störung zum Anlass, medizinische Leistungen
zu konsumieren. Kurzum: Was wir unter Gesundheit verstehen, beeinflusst
unsere Wahrnehmung und unser Handeln.
Im
Rahmen unserer Studie haben wir deshalb als erstes eine Frage gestellt,
die schon in früheren SensoNet-Umfragen aufgetaucht ist:

Das
Ergebnis ist klar: Heute empfindet eine Mehrheit von SensoNet das
Ziel von Gesundheit als umfassendem Wohlbefinden als erstrebenswert.
Vor vier Jahren waren die Mehrheitsverhältnisse noch umgekehrt.
Der Verweis auf Unvollkommenheit als Schicksal befindet sich auf dem
Rückzug, der Absolutheitsanspruch in Sachen Gesundheit auf dem
Vormarsch. Dadurch steigen unvermeidlich die Ansprüche.
Wurde
mit der letzten Frage eine wirkliche Veränderung im kollektiven
Bewusstsein "gemessen", oder könnten die Verschiebungen
einfach auf Wandel in der Zusammensetzung von SensoNet zurückzuführen
sein ? Nun wir können davon ausgehen, dass sich die Wünschbarkeit
eines Szenarios schneller ändert als die Einschätzung von
dessen Realisierungschancen. Deshalb wurde auch zur Realisierbarkeit
wiederholt dieselbe Frage gestellt:

In
der Frage der Realisierbarkeit des Projekts von umfassendem Wohlbefinden
für alle herrscht über die Zeiten hinweg - trotz eines weitgehend
ausgewechselten Panels - geradezu sensationelle Übereinstimmung:
Zu schön, um wahr zu sein.
Das
heisst aber auch, dass das Projekt tatsächlich wünschbarer
geworden ist. Und auch wenn man es so absolut für unrealistisch
hält, so werden doch alle Schritte in diese Richtung dadurch
erhöhte Bedeutung erlangen. Umfassende Gesundheit wird immer
wichtiger.
Wenn
Gesundheit immer wichtiger wird, werden auch die Faktoren wichtiger,
die sie beeinflussen Wir haben deshalb nach der Bedeutung von Faktoren
gefragt, die das Projekt "umfassendes Wohlbefinden" positiv
oder negativ beeinflussen. Auch diese Frage wurde Änderung in
der Fragestellung ("wichtige" statt "wichtigste"
Faktoren) hat die absoluten Nennhäufigkeiten der einzelnen Faktoren
massiv erhöht. Möglich ist dagegen ein Vergleich der Rangierungen
der einzelnen Faktoren:
|
Nun
scheint es, dass das Projekt "Gesundheit gleich allgemeines
Wohlbefinden" eine gewaltige Schubkraft hat und deshalb
auch weitergehen wird. Wo sehen Sie für das nächste
Jahrzehnt die wirksamsten fördernden Faktoren für
dieses Projekt - und zwar
bei Ihnen persönlich ? Bitte tragen Sie bei jedem Punkt
ein, ob das nach Ihrer Ansicht ein
wichtiger Faktor ist oder nicht.
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Faktor
|
%
2004
|
Rang
2004
|
Rang
2000
|
Rang
1999
|
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gesündere
Ernährung
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97%
|
1
|
3
|
2
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neue
Kombinationen aus klassischer und alternativer Medizin
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86%
|
2
|
2
|
3
|
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|
verbesserte
soziale und emotionale Intelligenz
|
85%
|
3
|
5
|
5
|
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|
Veränderungen
der Werte und Wichtigkeiten
|
79%
|
4
|
4
|
4
|
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|
medizinisch-naturwissenschaftliche
Forschung
|
79%
|
4
|
1
|
1
|
|
|
stressfreiere
Lebensumstände
|
76%
|
6
|
6
|
6
|
|
|
alternative
Gesundheits- und Wellness-Methoden
|
67%
|
7
|
7
|
7
|
|
|
neue
Verfahren des geistig-seelischen Selbstmanagements
|
65%
|
8
|
8
|
8
|
|
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Der
Blick auf die Tabelle zeigt zunächst eines ganz deutlich:
Gesundheit wird als komplexes, vieldimensionales Phänomen
betrachtet, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Selbst
die beiden letztplatzierten werden immer noch von zwei Dritteln
von SensoNet für wichtig gehalten !
Im
Zeitvergleich fällt auf, dass der Faktor Ernährung
mittlerweile ganz an die Spitze gerückt ist (diverse Lebensmittelskandale
lassen grüssen...), während das Vertrauen in die medizinisch-naturwissenschaftliche
Forschung etwas geschrumpft ist. Immer noch erhofft man sich
mehr von neuen Kombinationen aus klassischer und alternativer
Medizin als von den einzelnen isolierten Richtungen.
Auffällig
ist auch, wie stark völlig immaterielle Faktoren wie "soziale
und geistige Intelligenz" bzw. "Neue Werte" gewichtet
werden. Es scheint sich, jedenfalls bei der gesellschaftlichen
Vorhut, weitgehend die Einsicht durchgesetzt zu haben, wonach
es nicht nur psychosomatische Krankheiten gibt, sondern auch
so etwas wie psychosomatische Gesundheit. Nicht zu unterschätzen
ist in diesem Zusammenhang das Thema Stress: Einer grossen Mehrheit
ist der Zusammenhang zwischen Stress und Gesundheit sehr wohl
bewusst.
Welches
sind nun die hemmenden Faktoren ?
Und
wo sind für Sie persönlich die stärksten hemmenden
Faktoren ? Bitte
tragen Sie wieder bei jedem Punkt ein, ob das nach Ihrer
Ansicht
ein wichtiger Faktor ist oder nicht.
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| |
Faktor
|
%
2004
|
Rang
2004
|
Rang
2000
|
Rang
1999
|
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|
schlichte
Unbezahlbarkeit des Projekts
|
70%
|
1
|
1
|
4
|
|
fehlende
Wichtigkeit (Menschen wollen ungesund bleiben)
|
63%
|
2
|
6
|
7
|
|
Tatsache,
dass die Natur nie perfekt sein kann
|
63%
|
2
|
2
|
1
|
|
Grenzen
der menschlichen Intelligenz
|
60%
|
4
|
2
|
2
|
|
Naturgesetze
|
58%
|
5
|
4
|
3
|
|
technische
Grenzen (nicht alles Denkbare geht)
|
53%
|
6
|
5
|
5
|
|
moralisch-religiöse
Grenzen (Du sollst nicht an der Schöpfung rumpfuschen !)
|
46%
|
7
|
7
|
6
|
Über
die das Projekt "umfassendes Wohlbefinden" hemmenden Faktoren
ist sich SensoNet nicht gar so einig wie bei den fördernden.
Immerhin spricht genug dagegen, nicht nur die fehlende Finanzierbarkeit.
Interessant ist, wie hier indirekt die Frage aufgeworfen wird: Wollen
wir das überhaupt genug ? Oder ist uns unser umfassendes Wohlbefinden
bei allem Gerede darüber vielleicht doch nicht ganz so wichtig,
als dass wir alles dafür täten ? Dieser mögliche Faktor
hat es über die Jahre weit nach vorn gebracht...
Umgekehrt
hält man die Naturgesetze für nicht mehr so hinderlich,
es sei denn die Tatsache, dass die Natur nie perfekt sein kann. Auch
die Grenzen der Technik bzw. der menschlichen Intelligenz haben an
Bedeutung verloren, was bedeutet, dass man in eben diese Intelligenz
wieder etwas mehr Vertrauen gefasst hat.
Gesundheit
und Oekonomie
Umfassendes
Wohlbefinden hält SensoNet für nicht finanzierbar. Doch
wie steht es sonst mit dem ökonomischen Aspekts des Megatrends
Gesundheit ? Auch dazu haben wir bereits früher gestellte Fragen
an SensoNet wiederholt:

|
Die
These, wonach Gesundheit im umfassenden Sinne zum nächsten
Kontrattjev-Zyklus werden könnte, ist nicht ganz neu. SensoNet
ist ihr mehrheitlich mit Wohlwollen begegnet, schon im Jahr
2000, und diese mehrheitlich freundliche Aufnahme ist geblieben,
auch wenn ein ganz leiser Trend zu etwas mehr Skepsis erkennbar
ist. Das ändert nichts daran, dass SensoNet hier den engen
Zusammenhang des Megatrends Gesundheit mit wirtschaftlichen
Fragen bestätigt.
Das
zeigt sich auch, wenn wir prospektiv fragen, wieviel denn im
nächsten Jahrzehnt - verglichen mit heute - für Gesundheit
ausgegeben werden wird, persönlich wie gesellschaftlich:
Werden
uns Gesundheit und Wohlbefinden in zehn Jahren mehr oder weniger
wert sein, d.h., werden wir als Gesellschaft dafür mehr
oder weniger investieren ?
Und
wie sehen Sie das für Ihre persönliche Zukunft ? Werden
Sie in zehn Jahren mehr
oder weniger in Gesundheit und Wohlbefinden investieren als
heute ?
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|
Gesellschaft
|
persönlich
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|
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2004
|
2000
|
2004
|
2000
|
|
sehr
viel mehr
|
10%
|
12%
|
7%
|
16%
|
|
|
|
deutlich
mehr
|
53%
|
38%
|
33%
|
37%
|
|
|
etwas
mehr
|
25%
|
34%
|
36%
|
33%
|
|
|
gleich
viel
|
7%
|
7%
|
20%
|
13%
|
|
|
etwas
weniger
|
2%
|
4%
|
1%
|
1%
|
|
|
deutlich
weniger
|
2%
|
4%
|
2%
|
--
|
|
|
sehr
viel weniger
|
1%
|
1%
|
1%
|
--
|
|
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Eines
steht nach SensoNet unverrückbar fest: Wir werden in Zukunft
mehr Geld für Gesundheit ausgeben und nicht weniger, und
zwar als Einzelne wie als Gesellschaft. Die Frage ist nur, wieviel
mehr. Und da ist SensoNet auf der gesellschaftlichen Ebene deutlich
skeptischer geworden. Eine klare Mehrheit meint jetzt, es würde
deutlich oder gar sehr viel mehr, der Glaube an ein moderates
Ausgabenwachstum ist geschwunden.
Eine
umgekehrte Tendenz findet sich auf der persönlichen Ebene.
Hier ist die Zahl jener, die an ein moderateres Wachstum oder
gar eine Stabilisierung glauben, spürbar gewachsen. Das
kann auch ein Stück Realismus sein, indem man einsieht,
an finanzielle Grenzen zu stossen.
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Gesundheitsrelevante
Faktoren
Noch
einmal, wenn auch etwas anders, haben wir abschliessend nach Faktoren
gefragt, welche die eigene Gesundheit positiv oder negativ beeinflussen,
diesmal stark nach dem Kriterium differenziert, ob der entsprechende
Faktor vom Individuum direkt beeinflussbar ist oder nicht. Auch dazu
stehen uns Vergleichsdaten zur Verfügung:

Zunächst
fällt auf, dass alle wichtigsten Faktoren vom Individuum mehr
oder weniger selber zu beeinflussen sind: Ausgeglichenheit, Zufriedenheit,
Bewegung, Ernährung, aber auch Familie und Stress. Dagegen werde
die externen, nicht kontrollierbaren Faktoren wie physische Umwelt,
technische Belastungen, Gene und Schicksal als etwas weniger wichtig
eingestuft. Bestätigt wird erneut der enge Zusammenhang zwischen
psychischen Faktoren (Ausgeglichenheit, Zufriedenheit) und Gesundheit.
Diese
Vorstellungen über gesundheitsrelevante Faktoren sind, wie der
Zeitvergleich zeigt, relativ stabil. Es sind nur einige kleinere Verschiebungen
auszumachen: Höher gewichtet werden demnach seelische Ausgeglichenheit,
Stress, Familie, Erbfaktoren und höhere Mächte, tiefer dagegen
nur die physische Umwelt. Bei den übrigen Faktoren ist kein Trend
auszumachen. Solche Vorstellungen darüber, was die eigene Gesundheit
wie stark beeinflusst, sind offensichtlich keinen kurzfristigen Veränderungen
unterworfen.