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Unheilbar gesund ? Gesundheits-Bilder der Zukunft

(Ergebnisse der SensoNet-Umfrage Oktober 2004 / TeilnehmerInnen: 152)

Was heisst eigentlich "gesund" ?

Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von "Gesundheit" sprechen ? Die Frage mag akademisch klingen, ist es aber nicht: Wenn wir Gesundheit etwa als Abwesenheit ernsthafter Erkrankungen definieren, werden wir leichtere Störungen unseres Befindens klaglos hinnehmen und uns nicht weiter darum kümmern. Verstehen wir unter Gesundheit jedoch umfassendes körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden, wird schon die kleinste Störung zum Anlass, medizinische Leistungen zu konsumieren. Kurzum: Was wir unter Gesundheit verstehen, beeinflusst unsere Wahrnehmung und unser Handeln.

Im Rahmen unserer Studie haben wir deshalb als erstes eine Frage gestellt, die schon in früheren SensoNet-Umfragen aufgetaucht ist:

Das Ergebnis ist klar: Heute empfindet eine Mehrheit von SensoNet das Ziel von Gesundheit als umfassendem Wohlbefinden als erstrebenswert. Vor vier Jahren waren die Mehrheitsverhältnisse noch umgekehrt. Der Verweis auf Unvollkommenheit als Schicksal befindet sich auf dem Rückzug, der Absolutheitsanspruch in Sachen Gesundheit auf dem Vormarsch. Dadurch steigen unvermeidlich die Ansprüche.

Wurde mit der letzten Frage eine wirkliche Veränderung im kollektiven Bewusstsein "gemessen", oder könnten die Verschiebungen einfach auf Wandel in der Zusammensetzung von SensoNet zurückzuführen sein ? Nun wir können davon ausgehen, dass sich die Wünschbarkeit eines Szenarios schneller ändert als die Einschätzung von dessen Realisierungschancen. Deshalb wurde auch zur Realisierbarkeit wiederholt dieselbe Frage gestellt:

In der Frage der Realisierbarkeit des Projekts von umfassendem Wohlbefinden für alle herrscht über die Zeiten hinweg - trotz eines weitgehend ausgewechselten Panels - geradezu sensationelle Übereinstimmung: Zu schön, um wahr zu sein.

Das heisst aber auch, dass das Projekt tatsächlich wünschbarer geworden ist. Und auch wenn man es so absolut für unrealistisch hält, so werden doch alle Schritte in diese Richtung dadurch erhöhte Bedeutung erlangen. Umfassende Gesundheit wird immer wichtiger.

Wenn Gesundheit immer wichtiger wird, werden auch die Faktoren wichtiger, die sie beeinflussen Wir haben deshalb nach der Bedeutung von Faktoren gefragt, die das Projekt "umfassendes Wohlbefinden" positiv oder negativ beeinflussen. Auch diese Frage wurde Änderung in der Fragestellung ("wichtige" statt "wichtigste" Faktoren) hat die absoluten Nennhäufigkeiten der einzelnen Faktoren massiv erhöht. Möglich ist dagegen ein Vergleich der Rangierungen der einzelnen Faktoren:

Nun scheint es, dass das Projekt "Gesundheit gleich allgemeines Wohlbefinden" eine gewaltige Schubkraft hat und deshalb auch weitergehen wird. Wo sehen Sie für das nächste Jahrzehnt die wirksamsten fördernden Faktoren für dieses Projekt - und zwar bei Ihnen persönlich ? Bitte tragen Sie bei jedem Punkt ein, ob das nach Ihrer Ansicht ein wichtiger Faktor ist oder nicht.

   

Faktor

% 2004

Rang 2004

Rang 2000

Rang 1999

 

gesündere Ernährung

97%

1

3

2

 

neue Kombinationen aus klassischer und alternativer Medizin

86%

2

2

3

 

verbesserte soziale und emotionale Intelligenz

85%

3

5

5

 

Veränderungen der Werte und Wichtigkeiten

79%

4

4

4

 

medizinisch-naturwissenschaftliche Forschung

79%

4

1

1

 

stressfreiere Lebensumstände

76%

6

6

6

 

alternative Gesundheits- und Wellness-Methoden

67%

7

7

7

 

neue Verfahren des geistig-seelischen Selbstmanagements

65%

8

8

8

 

 

 

Der Blick auf die Tabelle zeigt zunächst eines ganz deutlich: Gesundheit wird als komplexes, vieldimensionales Phänomen betrachtet, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Selbst die beiden letztplatzierten werden immer noch von zwei Dritteln von SensoNet für wichtig gehalten !

Im Zeitvergleich fällt auf, dass der Faktor Ernährung mittlerweile ganz an die Spitze gerückt ist (diverse Lebensmittelskandale lassen grüssen...), während das Vertrauen in die medizinisch-naturwissenschaftliche Forschung etwas geschrumpft ist. Immer noch erhofft man sich mehr von neuen Kombinationen aus klassischer und alternativer Medizin als von den einzelnen isolierten Richtungen.

Auffällig ist auch, wie stark völlig immaterielle Faktoren wie "soziale und geistige Intelligenz" bzw. "Neue Werte" gewichtet werden. Es scheint sich, jedenfalls bei der gesellschaftlichen Vorhut, weitgehend die Einsicht durchgesetzt zu haben, wonach es nicht nur psychosomatische Krankheiten gibt, sondern auch so etwas wie psychosomatische Gesundheit. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang das Thema Stress: Einer grossen Mehrheit ist der Zusammenhang zwischen Stress und Gesundheit sehr wohl bewusst.

Welches sind nun die hemmenden Faktoren ?

Und wo sind für Sie persönlich die stärksten hemmenden Faktoren ? Bitte tragen Sie wieder bei jedem Punkt ein, ob das nach Ihrer Ansicht ein wichtiger Faktor ist oder nicht.

 

Faktor

% 2004

Rang 2004

Rang 2000

Rang 1999

 

schlichte Unbezahlbarkeit des Projekts

70%

1

1

4

fehlende Wichtigkeit (Menschen wollen ungesund bleiben)

63%

2

6

7

Tatsache, dass die Natur nie perfekt sein kann

63%

2

2

1

Grenzen der menschlichen Intelligenz

60%

4

2

2

Naturgesetze

58%

5

4

3

technische Grenzen (nicht alles Denkbare geht)

53%

6

5

5

moralisch-religiöse Grenzen (Du sollst nicht an der Schöpfung rumpfuschen !)

46%

7

7

6

Über die das Projekt "umfassendes Wohlbefinden" hemmenden Faktoren ist sich SensoNet nicht gar so einig wie bei den fördernden. Immerhin spricht genug dagegen, nicht nur die fehlende Finanzierbarkeit. Interessant ist, wie hier indirekt die Frage aufgeworfen wird: Wollen wir das überhaupt genug ? Oder ist uns unser umfassendes Wohlbefinden bei allem Gerede darüber vielleicht doch nicht ganz so wichtig, als dass wir alles dafür täten ? Dieser mögliche Faktor hat es über die Jahre weit nach vorn gebracht...

Umgekehrt hält man die Naturgesetze für nicht mehr so hinderlich, es sei denn die Tatsache, dass die Natur nie perfekt sein kann. Auch die Grenzen der Technik bzw. der menschlichen Intelligenz haben an Bedeutung verloren, was bedeutet, dass man in eben diese Intelligenz wieder etwas mehr Vertrauen gefasst hat.

Gesundheit und Oekonomie

Umfassendes Wohlbefinden hält SensoNet für nicht finanzierbar. Doch wie steht es sonst mit dem ökonomischen Aspekts des Megatrends Gesundheit ? Auch dazu haben wir bereits früher gestellte Fragen an SensoNet wiederholt:

Die These, wonach Gesundheit im umfassenden Sinne zum nächsten Kontrattjev-Zyklus werden könnte, ist nicht ganz neu. SensoNet ist ihr mehrheitlich mit Wohlwollen begegnet, schon im Jahr 2000, und diese mehrheitlich freundliche Aufnahme ist geblieben, auch wenn ein ganz leiser Trend zu etwas mehr Skepsis erkennbar ist. Das ändert nichts daran, dass SensoNet hier den engen Zusammenhang des Megatrends Gesundheit mit wirtschaftlichen Fragen bestätigt.

Das zeigt sich auch, wenn wir prospektiv fragen, wieviel denn im  nächsten Jahrzehnt - verglichen mit heute - für Gesundheit ausgegeben werden wird, persönlich wie gesellschaftlich:

Werden uns Gesundheit und Wohlbefinden in zehn Jahren mehr oder weniger wert sein, d.h., werden wir als Gesellschaft dafür mehr oder weniger investieren ?

Und wie sehen Sie das für Ihre persönliche Zukunft ? Werden Sie in zehn Jahren mehr oder weniger in Gesundheit und Wohlbefinden investieren als heute ?

 
   

Gesellschaft

persönlich

   

2004

2000

2004

2000

 

sehr viel mehr

10%

12%

  7%

16%

   

deutlich mehr

53%

38%

33%

37%

 

etwas mehr

25%

34%

36%

33%

 

gleich viel

  7%

  7%

20%

13%

 

etwas weniger

  2%

  4%

  1%

  1%

 

deutlich weniger

  2%

  4%

  2%

--

 

sehr viel weniger

  1%

  1%

  1%

--

 

 

Eines steht nach SensoNet unverrückbar fest: Wir werden in Zukunft mehr Geld für Gesundheit ausgeben und nicht weniger, und zwar als Einzelne wie als Gesellschaft. Die Frage ist nur, wieviel mehr. Und da ist SensoNet auf der gesellschaftlichen Ebene deutlich skeptischer geworden. Eine klare Mehrheit meint jetzt, es würde deutlich oder gar sehr viel mehr, der Glaube an ein moderates Ausgabenwachstum ist geschwunden.

Eine umgekehrte Tendenz findet sich auf der persönlichen Ebene. Hier ist die Zahl jener, die an ein moderateres Wachstum oder gar eine Stabilisierung glauben, spürbar gewachsen. Das kann auch ein Stück Realismus sein, indem man einsieht, an finanzielle Grenzen zu stossen.

 

Gesundheitsrelevante Faktoren

Noch einmal, wenn auch etwas anders, haben wir abschliessend nach Faktoren gefragt, welche die eigene Gesundheit positiv oder negativ beeinflussen, diesmal stark nach dem Kriterium differenziert, ob der entsprechende Faktor vom Individuum direkt beeinflussbar ist oder nicht. Auch dazu stehen uns Vergleichsdaten zur Verfügung:

Zunächst fällt auf, dass alle wichtigsten Faktoren vom Individuum mehr oder weniger selber zu beeinflussen sind: Ausgeglichenheit, Zufriedenheit, Bewegung, Ernährung, aber auch Familie und Stress. Dagegen werde die externen, nicht kontrollierbaren Faktoren wie physische Umwelt, technische Belastungen, Gene und Schicksal als etwas weniger wichtig eingestuft. Bestätigt wird erneut der enge Zusammenhang zwischen psychischen Faktoren (Ausgeglichenheit, Zufriedenheit) und Gesundheit.

Diese Vorstellungen über gesundheitsrelevante Faktoren sind, wie der Zeitvergleich zeigt, relativ stabil. Es sind nur einige kleinere Verschiebungen auszumachen: Höher gewichtet werden demnach seelische Ausgeglichenheit, Stress, Familie, Erbfaktoren und höhere Mächte, tiefer dagegen nur die physische Umwelt. Bei den übrigen Faktoren ist kein Trend auszumachen. Solche Vorstellungen darüber, was die eigene Gesundheit wie stark beeinflusst, sind offensichtlich keinen kurzfristigen Veränderungen unterworfen.