Wenn
ein Bach über Stock und Stein fliesst, haben wir Mühe, darin
so etwas wie Ordnungen oder Muster zu erkennen. Das liegt zunächst
daran, dass hier alles in stetiger Bewegung ist. Wir dagegen sind
gewohnt, Muster als etwas Statisches zu betrachten, und Ordnung als
etwas Festes. Deswegen sehen wir im Bachlauf nichts als chaotische
Strudel und Verwirbelungen.
Wenn wir uns jedoch näher darauf
einlassen und in Ruhe dem Wasser beim Fliessen zuschauen, werden sehr
wohl Muster sichtbar - Fliessmuster eben. Sie bringen Ordnung in das
Chaos, lassen Zusammenhänge und Sinn in den Fliessbewegungen
erkennen.
So erschliesst sich uns eine neue Logik
des Fliessens. Wir können erkennen, was welche Wirbel bewirkt,
wo sich das Fliessen staut und wo es sich beschleunigt, was Hauptströmungen
sind und was unbedeutende Nebenstrudel.
Ein Zukunfts-Philosoph wie ich tut
nichts anderes. Er vertieft sich in die Fliessbewegungen der kulturellen
und geistigen Evolution und versucht, darin Fliessmuster zu entdecken
und ihrer evolutionären Logik auf die Spur zu kommen.
Eines jener Fliessmuster, die voll
in der evolutionären Logik liegen - jedenfalls für jene
Gegend der Welt, die man so schön das "alte Europa"
nennt - ist die Bewegung weg vom Geld hin zum Geist als Schlüsseltrend
des Werte-Wandels. Dass es diesen Trend gibt, werden wir in dieser
Studie zeigen, ebenso wie wir seine evolutionäre Logik nachweisen
und seine Konsequenzen für das Marketing aufzeigen werden.
Das Wörtchen "wir" ist
dabei ganz bewusst gewählt. Auch ein Zukunfts-Philosoph kann
sich nämlich mal irren. Deshalb habe ich vor ziemlich genau zehn
Jahren beschlossen, die von mir beobachteten Fliessmuster daraufhin
abzutesten, ob sie ein reines Hirngespinst meinerseits sind, oder
ob sie in der Welt draussen Resonanz finden.
Resonanz finden sie dann, wenn es ausser
mir Menschen gibt, sie sich ähnliche Frgen stellen. Oder sich
diese Fragen stellen lassen. Und eine (vorläufige) Antwort darauf
geben.
Nun gehen entsprechende Fragen allerdings
zwangsläufig ziemlich in die Tiefe, sie zu beantworten stellt
ein entsprechend hohes Anforderungsniveau an den Geist. Wie wir alle
wissen, sind geistige Fähigkeiten jedoch keineswegs gleichmässig
auf hohem Niveau verteilt. Die Befragung einer klassisch repräsentativen
Stichprobe, um Volkes Stimme zu erheben, fällt also ausser Betracht.
Es gibt jedoch in jeder Bevölkerung
auch so etwas wie eine geistige Elite, vielseitig interessiert, offen,
mit dem nötigen Hintergrundwissen ausgestattet, fähig zur
Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, neugierig auf sich selbst und
die Welt. Ich schätze ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung
mal vorsichtig auf zwischen zehn und zwanzig Prozent.
Diesen Menschen kann man sehr wohl
auch tiefer schürfende Fragen nach gesellschaftlichen und kulturellen
Entwicklungen stellen. Gelänge es, ein Abbild der Meinungen dieser
geistigen Elite zu entwickeln, dann wäre das von weitreichender
Bedeutung: Sie bildet nämlich jene Avantgarde, die solche Entwicklungen
einleitet, aufgreift und verstärkt. Ihr entstammen die Opinion-Leaders
in Sachen Zukunft, sie ist gleichsam der gesellschaftliche Sauerteig.
Wenn ein getestestetes Fliessmuster
bei dieser Elite keine Resonanz findet, kann, ja muss man davon ausgehen,
es handle sich um ein Phantom, und kann es somit getrost zu den Akten
legen. Gibt es jedoch diese Resoanz, und ist diese gar ausgeprägt,
erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine relevante
Entwicklung handelt, beträchtlich. Wir können dann davon
ausgehen, dass gilt: Was diese geistige Elite heute denkt und tut,
ist morgen - oder spätestens übermorgen - Allgemeingut.
Das ist das ganze Prinzip von SensoNet:
Ich teste, ob bestimmte Fliessmuster bei der geistigen Elite der deutschsprachigen
Länder Resonanz finden. Und wie die zehnjährige Erfahrung
mit SensoNet zeigt, funktioniert das Prinzip. Es gibt genügend
Menschen, die fähig und willens sind, Fragen zu diesen Fliessmustern
zu beantworten. Und ihre addierten Einzelmeinungen ergeben ein gutes
Abbild der Zukunftsbilder der geistigen Avantgarde. Sie zeigen das
kollektive Bewusstsein jener Gruppe, die heute schon ein Stück
Zukunft der ganzen Gesellschaft voraus denkt und lebt.
Daraus lassen sich - es kann nicht
genug darauf verwiesen werden - keine unmittelbaren Schlüsse
auf den Zustand der Gesamtgesellschaft ableiten, wohl aber darauf,
wohin die Reise geht, oder jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit
gehen könnte. Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich aus den
Antwortverteilungen von SensoNet abschätzen, ermöglicht
das Verfahren der Online-Umfragen doch gleichsam die Quadratur des
Kreises: Primär qualitative Fragstellungen lassen sich mindestens
annäherungsweise quantifizieren.
Warum das alles so hervorragend funktionert,
weiss ich selber nicht so genau, auch wenn ich meine Vemutungen habe.
Für Sie von Interesse ist einzig, dass es funktioniert: Mit SensoNet
lassen sich frühzeitig jene tektonischen Verschiebungen in Werte-Landschaften
erkennen, die sich in Zukunft zu eigentlichen Beben entwickeln können.
Wobei SensoNet weniger ein Frühwarnsystem ist als vielmehr ein
Instrument des Potenzial-Monitorings.
Die gesellschaftliche Avantgarde, die
SensoNet repräsentiert, ist immer zugleich auch die Avantgarde
des Marktes. Und damit von höchster Relevanz für das Marketing.
Allerdings nur dann, wenn es auch auf
Seiten des Marketings so etwas wie eine Avantgarde gibt. Denn, nicht
wahr, Marketing ist letztlich die Kunst, sich in den Kopf der Konsumenten
hinein versetzen zu können, wobei dieser Kopf selbstverständlich
neben Wissen und Gedanken auch Bilder, Gefühle und Wünsche
enthält. Gäbe es nun auf Seiten des Marketings nicht ebenfalls
eine Avantgarde, die spiegelbildlich ähnlich tickt wie die Avantgarde
des Marktes, dann gäbe es keine Aussicht auf eine erfolgreiche
Kommunikation.
Konkret: Wenn es im Marketing niemanden
gibt, der den Trend vom Geld zum Geist wahrnimmt und reflektiert,
dann ist er, zumindest für das Marketing, auch schon gestorben.
Das müsste sich doch klären
lassen. Einfach, indem die Methode, die beim Markt funktioniert hat,
spiegelbildlich auch auf das Marketing angewendet wird. Das war die
Überlegung, die, durch eine Idee von aussen angeregt, Pate stand
für die Gründung von MARKETING MORGEN, einem virtuellen
Netz von Marketing-Menschen, das ganz ähnlich aufgebaut ist und
funktioniert wie SensoNet, das Pendant auf Seiten des Marktes.
Es sei vorweggenommen: Auch im Marketing
gibt es die vermutete Avantgarde. Sie tickt, von Nuancen abgesehen,
tatsächlich ganz ähnlich wie die Avantgarde des Marktes.
Das eröffnet die Aussicht, dass der Trend vom Geld zum Geist
am Marketing nicht vorbei gehen wird.
Die vorliegende Studie enthält
die Ergebnisse von parallelen Befragungen von SensoNet und MARKETING
MORGEN und ermöglicht damit Trend-Einblicke von beiden Seiten
des Marktgeschehens. Inhaltlich folgt sie der evolutionären Logik: