Der Trend
von Geld zu Geist bildet gleichsam die Tiefenströmung im allgemeinen
Werte-Wandel. Diese Tiefenströmung ist an der Oberfläche
erst für die Avantgarde wahrnehmbar, doch in der Tiefe strömt
sie mächtig.
Dieser
Trend wird einerseits von starken Kräften angetrieben: Die tendenziell
schrumpfende Kaufkraft gehört dazu ebenso wie gewisse Sättigungstendenzen
bei den materiellen Werten, wo immer mehr Menschen lernen, dass weniger
mehr sein kann.
Andererseits
wird der Trend auch von starken Kräften angezogen. Der Trend
hin zum Geist ist nämlich keineswegs nur Selbstzweck, er hat
auch utilitaristische Ursachen. Weniger geschwollen formuliert: Wir
brauchen einen besseren Geist dringend. Einmal als Gemeinschaft: Es
wird einen sehr guten Geist brauchen, um die kommenden Herausforderungen
zu meistern: Wie können wir unseren Wohlstand auch bei schrumpfender
Bevölkerung und Kaufkraft bewahren? Wie organisieren wir unsere
Wirtschaft so, dass sie auch bei einer älter werdenden Bevölkerung
Mehrwerte produzieren kann? Wie schaffen wir es, für möglichst
viele Menschen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen?
Ganz
ähnlich brauchen wir einen besseren Geist auch persönlich,
um jene Werte zu realisieren, die uns immer wertvoller werden. Zur
Palette dieser immateriellen, also geistigen Werte mit beträchtlichem
Zuwachspotenzial gehören etwa Reife oder Weisheit. Es versteht
sich von selbst, dass wir tatsächlich lernen müssen, schöner
und produktiver denken zu lernen, wenn wir diesen edlen Idealzielen
näher kommen wollen.
Die Liste
jener uns wichtiger werdenden Werte, die sowohl geistiger Natur sind
als auch einen optimierten Geist zu ihrer Realisierung brauchen, liesse
sich, wie ich in meiner Studie "Werte im Wandel" gezeigt
habe, so weit verlängern, dass prompt der Überblick verloren
ginge. Unter und hinter all diesen Strömungen des Werte-Wandels
lässt sich jedoch ein zentraler Attraktor finden, welcher der
wichtigste Leitwert überhaupt ist und bleiben wird: Lebensqualität.
Nun haben
wir bereits gesehen, dass sich Lebensqualität zunehmend von der
Kaufkraft, also vom Geld, entkoppelt. Wenn ein Wachstum des Bruttosizialprodukts
(oder Bruttoinlandprodukts BIP) nicht mehr nötig ist, um eine
bessere Lebensqualität zu erreichen, kann sich der Fortschritt
einer Gesellschaft auch nicht länger am Wachstum des BIP messen
lassen. Nur wenn die durchschnittliche Lebensqualität der Bevölkerung
steigt, ist die Gesellschaft in der richtigen Richtung unterwegs.
Wir haben
weiter oben gesehen, dass das Szenario "Das "Bruttoglücksprodukt"
wird wichtiger als das BIP" sehr attraktiv ist. Diese Idee vom
Bruttoglücksprodukt spukt seit geraumer Zeit in einigen Köpfen
herum. Allerdings ist Glück der falsche Massstab: Zu flüchtig,
zu sehr von äusseren Faktoren abhängig. Im Sinne einer nachhaltigen
Betrachtungsweise ist Zufriedenheit viel wichtiger als Glück.
Genauer: die Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität.
Zufriedenheit
ist immer ein Produkt von Erwartung und Erfüllung. Was wir an
optimaler Lebensqualität erwarten, ist im Zeitalter der Individualisierung
logischerweise eine höchst persönliche Frage mit individuell
sehr verschiedenen Antworten. Wenn diese persönliche Erwartung
jedoch der Massstab für unsere eigene Zufriedenheit ist, lassen
sich die Zufriedenheitswerte wieder miteinander vergleichen. Etwa
in Form eines Lebensqualitäts-Indexes wie in der folgenden Frage:

Zunächst
scheint die Frage wirklich zu funktionieren: Wenn bei drei unterschiedlichen,
jeweils ziemlich kleinen Stichproben so ähnliche Kurven heraus
kommen, erscheint das Messverfahren tauglich.
Die Ergebnisse
zeigen: Aktuell liegt die Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität
im Schnitt bei einem Wert von 75. Das heisst: Drei Viertel der eigenen
maximalen Erwartungen sind erfüllt. Das ist gewiss kein schlechter
Wert. Den Avantgarden von Markt und Marketing geht es gut.
Und das
heisst auch: deutlich besser als vor fünf oder gar zehn Jahren.
Innerhalb eines Jahrzehnts ist die durchschnittliche Lebensqualität
um sieben bis acht Prozentpunkte besser gworden. Da sage noch jemand,
es gäbe keinen Fortschritt...
Zumal
sich diese Aufwärtstendenz in den Erwartungen der beiden Avantgarden
fortsetzen wird. Bis in zehn Jahren erwartet man einen weiteren Zuwachs
der eigenen Lebensqualität um mindestens neun Prozentpunkte.
Während also bei den materiellen Werten Sättigungstendenzen
unübersehbar geworden sind, eröffnet sich bei der Pflege
der eigenen Lebensqualität ein weites Wachstumsfeld.
Ein solcher
Lebensqualitäts-Index sollte sich ohne Probleme nicht nur Avantgarden,
sondern für ganze Gesellschaften und Bevölkerungen erheben
lassen. Derzeit werden die Chancen eines solchen Projekts evaluiert
- wir bleiben dran! Das Interesse und die Unterstützung dafür
sind bei den Avantgarden von Markt und Marketing bereits heute da,
wie die beiden folgenden Grafiken zeigen:


Die Antworten
auf die beiden Fragen sprechen für sich: Das Projekt eines vergleichenden
Lebensqualitäts-Indexes ist in den Augen der Avantarden von Markt
und Marketing sinnvoll und interessant. Wie erwähnt, wir bleiben
dran...