Das "VV"
auf dieser Sitzbank steht für "Verschönerungs-Verein"
(das W ist der Anfangsbuchstabe des betreffenden Dorfes). Ein Dorf
zu verschönern, etwa, indem man Sitzbänke für müde
Wanderer aufstellt, ist eine klassische Mehrwert-Strategie: Man bietet
mehr, um mehr zu bekommen.
Eine
bequeme Ruhebank bietet diese Strategie allerdings nicht. Kurzfristig
ist es viel einfacher und bequemer, ganz auf Tiefstpreise zu setzen.
Nur macht man sich dadurch, wie wir im letzten Kapitel gesehen haben,
langfristig auch die schönsten Märkte kaputt.
Im Gegensatz
dazu ermöglicht die Mehrwert-Strategie den Aufbau intensiver
und damit nachhaltig tragfähiger Beziehungen zwischen Anbieter
und Kunden. Denn sinkende Kaufkraft und wachsendes Preisbewusstsein
sind kein Grund zu Panik. Es steht nirgends geschrieben, dass die
Konsumenten in Zukunft genau dieselben Quantitäten konsumieren
wollen wie heute, vieles deutet im Gegenteil auf gewisse Sättigungs-,
ja Überstättigungs-Tendenzen beim Konsum hin.
Die Parole
wird deshalb für eine wachsende Zahl von Konsumentinnen und Konsumenten
lauten: Weniger konsumieren, aber dafür besser. Qualität
statt Quantität. Und weil diesen Konsumenten sehr wohl bewusst
ist, dass Qualität ihren Preis hat, sind sie auch bereit, diesen
zu bezahlen.
Ob diese
Vermutungen stimmen, aus der Optik des Marktes wie des Marketings,
wird in diesem Kapitel überprüft.
Intakte
Chancen für Mehrwert-Strategien
Ähnlich
wie bei Frage nach den Chancen für reine Tiefstpreis-Strategien
wollten wir von MARKETING MORGEN auch die Chancen für Mehrwert-Strategien
differenziert nach den beiden Ländern Deutschland und Schweiz
bewertet haben:

Kurzergebnis:
Mehrwert-Strategien haben Chancen, wenn auch kaum glänzende.
Und: Spiegelbildlich zu den Chancen von Tiefstpreis-Strategien, die
in Deutschland höher gewertet werden als in der Schweiz, haben
Mehrwert-Strategien in der Schweiz bessere Chancen als in Deutschland.
Bei allen
Unterschieden bleibt das Fazit: Eine Mehrheit der Avantgarde des Marketings
glaubt an die Erfolgsaussichten einer Mehrwert-Strategie, die ganz
darauf setzt, höhere Preise durch mehr Leistung zu rechtfertigen.
Also durch bessere Qualität.
Wir könnten
auch sagen: durch eine Verschiebung von Geld zu Geist.
Inhalt
oder Verpackung?
Mehrwerte
können direkt im Produkt oder der Dienstleistung liegen, oder
sie können durch Marketing und Branding erzeugt werden. Was meint
die Avantgarde des Marketings selbst zum Verhältnis zwischen
"Inhalt" und "Verpackung" im Rahmen einer Mehrwert-Strategie?

Die Umfrageteilnehmer
schwanken zwischen zwei Positionen: Entweder Vorrang für die
Qualität, also den Inhalt, oder aber ausgewogenes Verhältnis
zwischen Qualität und Marketing, also zwischen Inhalt und Verpackung.
Und obwohl es sich um Vertreter der Branche selber handelt, plädiert
kaum jemand für einen Vorrang von Marketing und Branding.
Die Erkenntnis
dürfte richtig sein: Echte Qualitätsvorteile sind mehr wert
als jedes noch so gute Marketing. Mehrwert entsteht durch Qualität.
Bringt
Qualität wirklich Mehrwert?
Ob die
Kunden auch in Zukunft bereit sind, für bessere Qualiät
einen höheren Preis zu bezahlen, haben wir diese selbst ebenso
gefragt wie das Marketing:


Beide
Marktseiten sagen übereinstimmend: Ja, es wird auch in Zukunft
genügend Kundinnen und Kunden geben, die für bessere Qualität
mehr bezahlen.
Zwischen
Preis und Qualität: Prioritäten in Konsumbereichen
Wo die
Prioritäten im Spannungsfeld zwischen Qualität und Preis
liegen, hängt vermutlich stark vom jeweiligen Konsumbereich ab.
Enstprechend differenziert haben wir gefragt.
Differenziert
war auch hier der Bezugspunkt: MARKETING MORGEN schätzt den Gesamtmarkt
ein, SensoNet berichtet über eigene Prioritäten. Das kann
eigentlich kaum zu Übereinstimmungen führen:

Tatsächlich:
Mit einer Ausnahme (Wellness, Gesundheit) liegt die Einschätzung
des Gesamtmarktes durch MAREKTING MORGEN immer deutlich näher
beim Preispol als die Selbsteinschätzung durch SensoNet. Woraus
wir schliessen können: Die geistige oder Bewusstseins-Elite,
die durch SensoNet repräsentiert wird, ist auch eine Konsum-
oder Qualitätselite. Ihr sind Qualitätsaspekte in allen
Konsumbereichen überdurchschnittlich wichtig. Nur gerade in zwei
Konsumebereichen, nämlich "Wasch- und Putzmittel" sowie
"Telekommunikation" sind tiefe Preise wichtiger als Qualität.
Ob MARKETING
MORGEN das Qualitätsbewusstsein des Gesamtmarktes richtig einschätzt,
wissen wir nicht. Fest steht jedoch, dass es in allen Konsumbereichen
Konsumentengruppen gibt, denen Qualität nach wie vor wichtiger
ist als tiefe Preise.