"Intelligenzförderung"
stand bei der Frage, welche Denk-Alternativen gefördert werden
sollten (siehe MINDNESS) ganz zum Schluss der Rangliste: Ist zwar
nicht unwichtig, steht aber nicht im Vordergrund.
Dieses
eher schlechte Abschneiden dürfte damit zusammenhängen,
dass der Begriff der Intelligenz etwas auf den Hund gekommen ist.
"Intelligenz ist, was der IQ misst", das gilt vielen mittlerweile
als zu enge Auffassung von Inelligenz. Das stimmt zwar, doch ist immerhin
interessant, dass auch diese Form von Intelligenz, die mit Hilfe eines
sogenannten Intelligenztests gemessen werden kann, Entwicklungen unterliegt.
Der neuseeländische Politikwissenschaftler James Flynn hat nämlich
nachgewiesen, dass der so gemessene Intelligenzquotient (IQ) pro Generation
um etwa 18 Punkte zunimmt, was dramatisch ist: Die Grosseltern liegen
rechnerisch im Schnitt so viele IQ-Punkte unter ihren Enkeln wie ein
Mensch am Rande des Schwachsinns unter einem normal Begabten. Studien
in zwanzig Ländern, darunter auch Deutschland und die Schweiz,
belegen dies.
Noch
rätseln die Wissenschaftler über die Gründe dieses
Phänomens, da scheint es schon wieder vorbei: Neuste Zahlen berichten
von einer Stagnation des Trends, ja, in Skandinavien ist schon wieder
eine deutliche Abnahme des durchschnittlichen IQ´s zu verzeichnen.
Intelligenz
bleibt also ein spannendes Phänomen des Geistes. Und verdient
deshalb unsere vertiefte Aufmerksamkeit.
Wächst
unsere Intelligenz?
Hat
Intelligenz in unserer Gesellschaft Wachstumschancen? Oder kämpfen
tatsächlich gegen Dummheit Götter selbst vergebens? Zu dieser
Frage liegen auf Seiten von SensoNet Antworten aus drei verschiedenen
Erhebungen vor, und dieselbe Frage haben wir auch an MARKETING MORGEN
gerichtet:
Aktuell
beurteilen die Avantgarden von Markt und Marketing die Lage ganz ähnlich:
Nur eine kleine Minderheit glaubt, die Evolution hätte automatische
Intelligenzsteigerungen vorgesehen. Jeweils etwa ein Drittel ist umgekehrt
ganz skeptisch und glaubt grundsätzlich nicht an die Möglichkeit
einer Steigerung der durchschnittlichen Intelligenz. Die grosse Mehrheit
schliesst das zwar nicht aus, findet aber, dazu seien kräftige
Anstösse nötig.
Interessant
ist, dass bei SensoNet der Anteil der grundsätzlichen Skeptiker
in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Das könnte Ausdruck
eines weiter geschrumpften grundsätzlichen Fortschrittsglaubens
sein.
Immerhin:
Intelligenz lässt sich offenbar grundsätzlich fördern.
Fragt sich nur wie?
Sinn
und Unsinn von Intelligenz-Förderprogrammen
Was
heisst Intelligenz - jenseits des IQ - überhaupt? Welche Dimensionen
gehören zu einem umfassenderen Begriff von Intelligenz, und wie
wichtig sind sie? Für SensoNet gibt es auch zu dieser Frage eine
Zeitreihe. Allerdings sind die Prozentwerte der Antworten wegen einer
leicht veränderten Fragestellung nicht direkt vergleichbar, "nur"
in den Relationen untereinander. Dazu kommen die Antworten von MARKETING
MORGEN. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die Werte
aufgeteilt in zwei Grafiken:
Ebenfalls
aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde in diesen Grafiken
auf die Nennung der exakten Prozentwerte verzichtet. Man sieht auch
so, dass die beiden entscheiden Balken (rot für die aktuellen
Werte von SensoNet, blau für die aktuellen Werte von MARKETING
MORGEN) überall weit über die Marke einer Zweidrittels-Mehrheit
hinausgehen. Im Klartext: Alle in dieser Grafik angeführten Intelligenz-Förderprogramme
werden als hochgradig wichtig betrachtet.
Kulturaustausch,
die Pflege von Kunst und Kutur generell, soziale und emotionale Kompetenzen,
philosophisches Denken, Naturerlebnisse, Körpererfahrung, bessere
Schulen, Wissenschaftsförderung: Das alles sind heisse Themen
mit Zukunft. Sie
alle verkörpern geradezu ideal den Trend zum Geist. Und gewinnen
deshalb zunehmend an Wert.
Hier
haben wir die weniger bedeutsamen Aspekte von Intelligenzförderung.
Noch einigermassen auf Zustimmung stossen Gehirn- und Bewusstseinsforschung
sowie Sport. Der Ausbau des Internets und eine bessere Auswahl der
Eliten sind schon umstrittener. Und gar nichts erwarten sich beide
Gruppen von der Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Wer
also geistige Mehrwerte schaffen will, tut gut daran, sich auf jene
Felder zu konzentrieren, die in der ersten Grafik auf grosse Zustimmug
gestossen sind.