Nachhaltige LebensQualität (März 2009)
1.1. Die Entwicklung des Lebensqualitäts-Index
Die Idee, ein so durch und durch qualitatives Phänomen
wie Lebensqualität messbar machen und in eine quantitative Grösse übersetzen zu
wollen, mag zunächst absurd erscheinen. Und doch können fast alle Menschen die
folgende Frage spontan und ohne Probleme beantworten:
Wenn Sie einmal die höchste Lebensqualität, die Sie
für sich denken können, mit dem Wert 100 beziffern: Wie hoch ist dann Ihre
derzeitige allgemeine Lebensqualität? (als Ganzes, nicht auf den jetzigen
Augenblick beschränkt)
Das liegt daran, dass die Frage nicht die eigentliche
Lebensqualität messen will, sondern die Zufriedenheit mit dieser. Zufriedenheit aber ist immer der Abstand zwischen Erwartung und
Erfüllung. Jede und jeder Befragte legt die Erwartung selber fest („die höchste
Lebensqualität, die Sie für sich denken können“), und kann deshalb problemlos
den Abstand zu diesem Idealwert feststellen.
SensoNet, das zukunftssensible Werte-Netz, hat, über
die Jahre hinweg und in höchst unterschiedlichen Zusammensetzungen, diese Frage
immer wieder beantwortet, ergänzt jeweils um die Frage, welchen Wert man vor
zehn Jahren gewählt hätte, und welchen man wohl in zehn Jahren wählen würde.
Fünf solcher Verlaufskurven sind in der nachfolgenden Grafik dargestellt.
Konzentrieren wir uns zunächst auf die Gegenwart
(„heute“), stellen wir eine erstaunliche Konstanz fest. Auf der Hunderter-Skala
schwanken die Durchschnittswerte nur um zwei Punkte, zwischen 74 und 76. Dieser
Mittelwert von etwa 75 scheint eine wirkliche Konstante zu sein. Er ergibt sich
auch bei jedem meiner Vorträge, unabhängig von der Art des Publikums, wenn ich
jeweils über obige Frage in Zehnerschritten per Handaufheben abstimmen lasse.
Er ergibt sich in vielen vergleichbaren internationalen Studien, selbst wenn
man statt nach Lebensqualität nach Lebenszufriedenheit oder gar nach Glück
fragt. Und er wird auch bei der Frage nach der Zufriedenheit in den einzelnen
Lebensqualitäts-Sphären (Kapitel 1.5.) bestätigt. Hier sind weitere Abklärungen
über die Gründe dieses seltsamen Phänomens dringend angesagt.
Wesentlich stärker streuen die Wahrnehmung der
Vergangenheit und die Zukunfts-Erwartungen, die sehr wohl vom jeweils aktuellen
Zeitgeist beeinflusst erscheinen. Dabei fällt auf, dass der Optimismus
bezüglich einer weiteren Verbesserung der eigenen Lebensqualität auch schon
ausgeprägter war als derzeit.
Auf der persönlichen Ebene lässt sich der
Lebensqualitäts-Index übrigens in die Idee des Lebensqualitäts-Kontos übersetzen. Zu beobachten, wie sich dieses verändert, und herauszufinden, was
es belastet und was es äufnet, kann ein höchst wirksames Instrument der
Selbstdiagnose sein...
