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Nachhaltige LebensQualität (März 2009)

1.5. Lebensqualitäts-Sphären: Bedeutung und Zufriedenheit

Dass Lebensqualität, anders als etwa Lebensstandard, kein eindimensionales Phänomen ist, sondern ein vielschichtiges und facettenreiches, ist kaum zu übersehen. Offener ist die Frage, welche einzelnen Sphären zusammenwirken müssen, um Lebensqualität zu erzeugen. Aufgrund meiner langjährigen Beschäftigung mit Werten im Allgemeinen und mit Lebensqualität im Besonderen bin ich zu einer Aufteilung in sechzehn Lebensqualitäts-Sphären gelangt. Auch diese Gliederung enthält selbstverständlich noch immer subjektive Elemente, doch sie basiert auf dem heute bestmöglichen Wissensstand, und sie hat sich bereits in dieser ersten Studie als tauglich erwiesen. Dass die Differenzierung der Lebensqualitäts-Sphären mit diesen sechzehn Hauptsphären noch nicht zu Ende ist, steht in einem anderen Kapitel, exemplarisch wird im zweiten Teil dieser Studie die Sphäre Nachhaltigkeit ein erstes Mal weiter aufgefächert.

Die sechzehn Lebensqualitäts-Sphären wurden den Befragten wie folgt skizziert:

-       Materie (Einkommen, Besitz, Konsum, Güter)

-       Gesundheit (körperlich, geistig, seelisch)

-       Tun (Arbeit – bezahlte und freiwillige, Aktivität, Kreativität, Leistung, Wirkung)

-       Beziehungen (Liebe, Familie, Freundschaft)

-       Raum (Wohnsituation, Wohnort, Mobilität)

-       Zeit (Integration von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Lebens-Tempo, Oasen im hektischen Zeitstrom)

-       Sinn (Lebens-Sinn, Sinn-Quellen, Naturerleben, Spiritualität, Religion)

-       Stabilität (Tradition, Sicherheit, Kontrolle)

-       Eigenes (Selbstverwirklichung, Treue zu sich selbst, Unabhängigkeit, Lebensgestaltung nach eigenen Werten, Selbst-Kompetenz)

-       Lebensfreude (Glück, Genuss, Freude, Abwechslung)

-       Reifung (im Reinen mit sich sein, ständiges Dazulernen, Selbst-Bewusstsein, Vertrauen in inneren Kompass, Weisheit)

-       Echtheit (Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Selbständigkeit)

-       Offenheit (Humor, Optimismus, Intelligenz, Zufriedenheit, Konfliktkompetenz)

-       Respekt (im Umgang miteinander sowie mit Natur und Kulturen, Zuverlässigkeit, Treue, Toleranz)

-       Nachhaltigkeit (Umwelt-Verantwortung gegenüber nächsten Generationen, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Menschenrechte)

-       Lebens-Kunst (Sinn für das richtige Maß, Balance zwischen Lebensbereichen, Integration aller Lebensqualitäts-Sphären)

In einem ersten Schritt wurde danach gefragt, wie wichtig jede Sphäre für die eigene generelle Lebensqualität sei, wofür eine Skala von 1 (völlig unbedeutend) bis 10 (extrem wichtig) zur Verfügung stand. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Grafik dargstellt. Zunächst fällt auf, dass es keine wirklich unwichtige Sphäre gibt. Der tiefste Durchschnittswert liegt bei 6.4. Und tatsächlich werden die Skalenwerte zwischen 1 und 5 kaum gewählt, so dass wir mit Recht den Streubereich zwischen 5 und 10 festlegen und dies in der Grafik entsprechend abbilden können. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass dort, wo es nichts Unwichtiges gibt, die Differenzierungen im Nahbereich des Wichtigen entscheidend werden.

Tatsächlich zeigt die Grafik, dass alle sechzehn Sphären einen wichtigen Beitrag zur generellen Lebensqualität leisten, nur eben nicht einen genau gleich wichtigen. Immerhin schwanken die Mittelwerte zwischen 6.4 (Materie – was übrigens ziemlich genau dem im letzten Kapitel präsentierten Wert für „Haben“ entspricht) und 9.2 (Gesundheit), also um fast drei Punkte. Hier wird also sehr wohl differenziert. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn wir nur die „Extremwerte“ berücksichtigen, also die Skalenwerte 9 und 10: Diese Wahl treffen bei „Materie“ nur gerade 6 Prozent, bei „Gesundheit“ dagegen 82 Prozent!

Diese Differenzierungen zeigen, dass unterschiedliche Menschen die subjektive Bedeutung der einzelnen Lebensqualitäts-Sphären unterschiedlich gewichten. Kaum jemand lässt eine Sphäre ganz aus, doch die Mischungsverhältnisse sind so individuell, wie dies angesichts des individuellen Charakters von Lebensqualität nicht anders zu erwarten war. Dabei produzieren die Sphären unterschiedliche Differenzierungen: Über den extrem hohen Stellenwert von Gesundheit und Beziehungen für die eigene Lebensqualität herrscht weitgehende Einigkeit, bei anderen Sphären sind die Ausschläge wesentlich grösser.

Eine wesentlich geringere Differenzierung ergibt sich bei der Frage nach Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität in den einzelnen Sphären (übernächste Grafik). Hier schwanken die Werte nur zwischen 7.1 (Materie) und 8.3 (Echtheit), und im Schnitt liegen sie bei 7.7, also ebenfalls im bereits mehrfach angetroffenen magischen Bereich. Dieses Ergebnis lässt etliche Fragen offen: Ist Zufriedenheit eine weitgehend stabile und damit nicht zu beeinflussende Grösse? Ist es egal, was wir tun, weil sich unsere Zufriedenheit ohnehin nicht steigern lässt? Gibt es so etwas wie einen gläsernen Deckel bei der Zufriedenheit mit unserer Lebensqualität, den wir nicht durchbrechen können? Fragen über Fragen – wir bleiben dran!

Noch spannender wird es, wenn wir die gemessene Zufriedenheit mit der Bedeutung der jeweiligen Sphäre gewichten. Dafür drehen wir den Wert für Zufriedenheit in einen solchen für Unzufriedenheit (10 minus tatsächlichem Wert, ergibt einen Unzufriedenheitswert von 1 bis 9) und multiplizieren ihn mit dem Wert für die Bedeutung der Sphäre, weil Unzufriedenheit in einer wichtigen Sphäre höher zu gewichten ist als in einer unwichtigen. Wie die dritte Grafik zeigt, wird der maximale Wert für gewichtete Unzufriedenheit (9 mal 10) bei weitem nicht erreicht, und die Unterschiede zwischen den einzelnen Sphären sind gering. Wenig Erkenntnisgewinn also, ausser dass wir überall ziemlich zufrieden sind. Und das ist ja auch schon was...


I N H A L T

Einleitung: Unterwegs in Richtung Nachhaltige Lebensqualität                            

1. Lebensqualitäts-Grundlagen 

1.1. Die Entwicklung des Lebensqualitäts-Index

1.2. Leit-Wert Lebensqualität

1.3. Aussagen rund um Lebensqualität

1.4. Die Dreier-Formel von Lebensqualität

1.5. Lebensqualitäts-Sphären: Bedeutung und Zufriedenheit

1.6. Lebensqualitäts-Profile und was man mit ihnen machen kann

1.7. Lebensqualität und Lebensstandard

2. Die Lebensqualitäts-Sphäre Nachhaltigkeit                                                           

2.1. Nachhaltige Werte

2.2. Verständnis von Nachhaltigkeit

2.3. Konsum für eine bessere Welt

2.4. Strategische Konsumenten und LOHAS                                                             

3. Die Studie