Nachhaltige LebensQualität (März 2009)
1.7. Lebensqualität und Lebensstandard
Der Werte-Wandel vom Lebensstandard zur Lebensqualität
basiert nicht zuletzt auf der wachsenden und durch zahlreiche
Forschungsergebnisse bestätigten Erkenntnis, dass ein Zuwachs an Lebensstandard
oder Kaufkraft keineswegs automatisch einen Zuwachs an nachhaltiger
Lebensqualität bedeutet. Im Gegenteil: Der Einfluss eines steigenden Lebensstandards
auf die Lebensqualität ist weitgehend gleich Null.
Noch hat sich diese Erkenntnis nicht flächendeckend
durchgesetzt. Wie steht es damit bei SensoNet? Wie sieht dieses
zukunftssensible Werte-Netz den Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Lebensqualität?
Die folgende Grafik enthält die aktuellen Antworten im Vergleich mit jenen von
vor vier Jahren.
Die damals schon festgestellte Tendenz zur
Entkoppelung von Kaufkraft und Lebensqualität hat sich
bestätigt und akzentuiert. Noch weniger glauben an steigende Lebensqualität bei
steigender Kaufkraft, und deutlich weniger sehen eine stabile Kaufkraft als
unabdingbare Voraussetzung für stabile Lebensqualität. Und nach wie vor die
meisten glauben an die Möglichkeit steigender Lebensqualität auch ohne mehr
Kaufkraft. Die Entkoppelung von Kaufkraft und Lebensqualität schreitet also
langsam voran, wenngleich sie noch keineswegs vollständig vollzogen ist.

In der zweiten Grafik vergleichen wir wieder die sehr
mit ihrer Lebensqualität Zufriedenen mit den weniger Zufriedenen. Und stellen
fest: Die Entkoppelung von Kaufkraft und Lebensqualität ist bei den sehr
Zufriedenen deutlich fortgeschrittener als bei den weniger Zufriedenen. Es
könnte also sein, dass der Zusammenhang umgekehrt wirkt: Wer für seine Lebensqualität
die Sphäre des Materiellen weniger braucht als andere, hat eine höhere Chance
auf bessere Lebensqualität. Bestätigt wird dies dadurch, dass die sehr
Zufriedenen im Lebensqualitäts-Profil die Bedeutung der Sphäre „Materie“ tiefer
einstufen als die weniger Zufriedenen. Auch diese und ähnliche Zusammenhänge
bedürfen im Interesse praktischer Lebenskunst dringend weiterer Erforschungen.

Ein vorläufig letztes Licht auf den Zusammenhang
zwischen Lebensstandard und Lebensqualität liefert die Frage, ob man an ein
Ende des Tanzes um das goldene Kalb glaube, also an ein Ende der Jagd nach
immer noch mehr Geld. Angesichts der Erfahrungen damit, wie sehr materielle
Gier die Menschen antreibt, ist er diesbezügliche Optimismus in den letzten
vier Jahren leicht geschrumpft: Statt 52 glauben jetzt nur noch 45 Prozent an
ein baldiges Ende des Tanzes um das goldene Kalb (siehe Grafik). Allerdings hat
sich die Zahl derjenigen, die an dieses Ende glauben, „weil wir lernen,
Lebensqualität von materiellem Wachstum zu entkoppeln“, in diesen vier Jahren
fast verdoppelt. Ganz offensichtlich ist in diese Frage eine Dynamik rein
gekommen, die wir gerne weiter verfolgen. Ebenso wie die Frage, ob man aus der Tatsache, dass massiv weniger Befragte das Ende des Tanzes um das goldene Kalb mit geschrumpften Wachstumschancen begründen, umgekehrt daraus schliessen kann, dass es wieder mehr Wachstums-Vertrauen gibt - ausgerechnet jetzt. Wir bleiben dran...
