Nachhaltige LebensQualität (März 2009)
2.2. Verständnis von Nachhaltigkeit
Der Begriff Nachhaltigkeit ist zwar in aller Munde,
doch das heisst noch lange nicht, dass alle darunter dasselbe verstehen –
falls sie überhaupt etwas verstehen. Deshalb gehört es zum Konzept des Projekts
NLQ, immer wieder mal auch entsprechende Verständnisfragen zu stellen, um
gleichsam die Bedeutungsevolution eines Begriffs wie Nachhaltigkeit
nachvollziehen zu können.
Nachhaltigkeit hat zunächst zwei Dimensionen, nämlich
die zeitliche (längerfristige Zeitperspektive, nachhaltig = andauernd), und die
qualitative (sorgsamer Umgang mit Ressourcen aller Art, nachhaltig = sorgsam).
Wie SensoNet das Zusammenspiel dieser beiden Dimensionen sieht, zeigt die
nächste Grafik. Wie schon vor knapp zwei Jahren dominiert dabei die Antwort,
man denke an beide Dimensionen gleichermassen, und auch jene, die eher oder
eindeutig an eine der beiden Dimensionen denken, halten sich in etwa die Waage,
mit einem leichten Übergewicht der Qualitätsdimension. Wenn es denn eine
Tendenz gibt, dann die, dass die beiden Pole auf Kosten der Mitte etwas stärker
geworden sind.

In der zweiten Grafik sind die Antworten auf die Frage
dargestellt, welche Aspekte (ökologische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle)
zur persönlichen Vorstellung von Nachhaltigkeit gehören. Hier nun zeigen sich
im Vergleich mit 2007 beträchtliche Verschiebungen. Zwar dominieren nach wie
vor die ökologischen Aspekte, gefolgt von den sozialen und den
wirtschaftlichen, doch bei allen drei Aspekten sind es heute deutlich weniger
Befragte, für die dieser Aspekt unbedingt zur persönlichen Vorstellung von
Nachhaltigkeit gehört, als damals. Einzig bei den kulturellen Aspekten, die schon
vor zwei Jahren höchstens auch, aber nicht unbedingt zu Nachhaltigkeit
gehörten, ergeben sich keine Änderungen.
Offenbar haben sich in diesen knapp zwei Jahren die
Konturen des Begriffs Nachhaltigkeit deutlich verwischt, was auf dessen
inflationären Gebrauch zurückzuführen sein könnte. Und auch, dass die
wirtschaftlichen Aspekte heute nur noch für ein Drittel unbedingt zur
persönlichen Vorstellung von Nachhaltigkeit gehören, während es noch 2007 über
die Hälfte war, dürfte kein Zufall sein, sondern auf dem allgemeinen
Ansehensverlust der Wirtschaft beruhen.

Das Verständnis von Nachhaltigkeit ist offensichtlich
auch dem Wandel unterworfen. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen
weiterhin aufmerksam zu verfolgen.