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Selbstverwirklichung und Lebensqualität

(Ergebnisse der SensoNet-Umfrage Oktober 2004 / TeilnehmerInnen: 152)

Selbstverwirklichung und Lebensqualität

Die bisherigen Forschungen über Lebensqualität legen eine Aufgliederung des Leitwerts Lebensqualität in sechs "Lebensqualitäts-Sphären" nahe. Jede Sphäre wird durch jeweils drei Einzelwerte repräsentiert, für die wir in der vorliegenden Studie sowohl die Bedeutung (Soll) als auch die Realität (Ist) gemessen haben, ohne dass für die Befragten die Einteilung in sechs Sphären ersichtlich gewesen wäre. Bei der folgenden Auswertung nehmen wird diese Einteilung jedoch vor:

Im Ueberblick ergeben sich folgende Kennwerte (jeweils Durchschnittswerte aus den drei Einzelwerten):

Lebensqualitäts-Sphäre

Soll

Ist

Differenz

Eigensinn

4.3

3.8

-0.5

Miteinander

4.3

3.5

-0.8

Unsichtbar

4.0

3.5

-0.5

Raum

3.8

3.7

-0.1

Zeit

3.9

3.5

-0.4

Balance

3.9

3.4

-0.5

Die Zusammenfassung macht einmal mehr deutlich, dass Lebensqualität tatsächlich aus verschiedenen Sphären besteht, die alle von vergleichbarer Bedeutung sind: Alle Elemente liegen in ihrer Bedeutung (Soll) nahe beisammen, im Durchschnitt rund um den Wert "stark wichtig".

Nimmt man den Sonderfall "dass die Lebensqualität möglichst vieler Menschen stimmt", dessen Werte etwas aus dem Raster fallen, aus der Wertung heraus, dann liegen die beiden ersten Sphären dicht beisammen. Sowohl die Sphäre "Eigensinn", die, wie wir noch sehen werden, weitgehend dem Wert "Selbstverwirklichung" entspricht, als auch jene des "Miteinander" sind von grösster Bedeutung für die eigene Lebensqualität.

Klar macht die Uebersicht auch, dass es um die Lebensqualität von SensoNet im Allgemeinen gut bestellt ist. Eine Differenzen zwischen Ist und Soll besteht zwar, doch fällt sie im Schnitt moderat aus. (Das gilt ohne den Sonderfall auch für die Sphäre "Miteinander".) Das bedeutet: Es gibt zwar noch Optimierungsbedarf, doch nirgendwo die Notwendigkeit von krassen Korrekturen.

Der enge Zusammenhang zwischen Selbstverwirklichung und Lebensqualität wird deutlich: Selbstverwirklichung, das heisst Eigen-Sinn, ist eine elementare Voraussetzung von Lebensqualität.

Diese Aussage wird durch eine direkte Frage bestätigt:

Mit einem Durchschnittswert von 3.8 liegt Selbstverwirklichung also im üblichen Rahmen: Ihre Bedeutung für die eigene Lebensqualität wird als stark empfunden. Grund genug, sich dem Thema weiter zu widmen.

Welche Dynamik hat Selbstverwirklichung ? Wir haben danach rückwärts wie vorwärts gefragt:

Die Dynamik ist klar: Selbstverwirklichung ist in den letzten Jahren wichtiger geworden, und diese Tendenz wird auch in den nächsten zehn Jahren anhalten. Selbstverwirklichung als zentrales Element von Lebensqualität bleibt trotzt einer vorübergehenden Schwäche auf der Hitliste der wichtigen Werte weit oben.

Was ist Selbstverwirklichung ?

Zunächst galt es abzuklären, ob Selbstverwirklichung für SensoNet überhaupt ein relevanter Begriff ist:

Die Frage kann klar bejaht werden: Selbstverwirklichung ist ein Begriff, mit dem SensoNet etwas anfangen kann.

Ist Selbstverwirklichung mehr als ein frommer Wunsch ? Wir haben gefragt, wie weit denn dieser Wunsch auch realisiert war, ist und sein wird:

Die Diskrepanz zwischen idealer Selbstverwirklichung und tatsächlicher ist in den letzten Jahren deutlich geschrumpft, und sie wird dies in den nächsten zehn Jahren weiterhin tun. Damit herrscht in Sachen Selbstverwirklichung bei SensoNet derselbe Optimismus wie bei Lebensqualität: In beiden Fällen glaubt man, es lägen weitere Optimierungsschritte drin.

Was aber bedeutet Selbstverwirklichung eigentlich ? Wir haben SensoNet dafür einige Statements zur Beurteilung vorgelegt:

Eines steht fest: Selbstverwirklichung bedeutet keineswegs rücksichtslosen Egoismus. Es geht vielmehr um die Realisierung seiner Talente, um ein Leben nach eigenen Werten und um Freiheit. "Bauch" und Gefühle sind zwar auch wichtig, werden aber keineswegs verabsolutiert. Klar wird auch, dass Selbstverwirklichung keine Zielsetzungen von aussen ("höherer Auftrag" bzw. Normen von Anständigkeit) braucht und will.

Um die Idee von Selbstverwirklichung noch besser zu verstehen, haben wir auch gefragt, in welchen Lebensbereichen Selbstverwirklichung wie wichtig sei, und stellen diesen Soll-Werten wieder die entsprechenden ist-Werte genüber.

Es sind drei "innere" Lebensbereiche, welche die Spitzenplätze belegen: geistiges Leben, Werte und Glauben, sowie Lebensziele. Hier wird entscheidend entschieden, ob Selbstverwirklichung realisiert werden kann.

Es folgt ein breites Mittelfeld mit den Lebensbereichen Liebesbeziehung, Beruf, Freizeit, Familie, eigene vier Wände sowie Freundeskreis. Auch in diesen Bereichen ist Selbstverwirklichung wichtig, wenn auch etwas weniger als in den inneren Bereichen.

Deutlich abgeschlagen sind Konsum, Styling, Politik und Markenwahl. Ein Einfluss dieser Lebensbereiche auf Selbstverwirklichung wird zwar wahrgenomen, jedoch nur in sehr mässigem Ausmass, vor allem, wenn man sie mit den wirklich wichtigen vergleicht.

Bei den Abweichungen zwischen Soll und Ist ergeben sich ähnliche eher geringfügige Diskrepanzen wie bei der entsprechenden Frage zu Lebensqualität. Im Grossen und Ganzen wird bestätigt, dass die vorhandenen Wünsche an Selbstverwirklichung zum überwiegenden Teil erfüllt sind.

Auffällig: In den Bereichen Konsum, Styling und Markenwahl ergibt sich sogar eine positive Diskrepanz, das heisst, man hat hier sogar mehr Selbstverwirklichung als man eigentlich will. Das bedeutet, dass kaum jemand irgendetwas tun wird, um hier zu noch mehr Selbstverwirklichung zu kommen, schliesslich hat man davon schon mehr als genug.

Selbstverwirklichung und Konsum

Konsum gehört, wie wir gesehen haben, nicht zu jenen Lebensbereichen, die für die eigene Selbstverwirklichung matchentscheidend sind. Kann und muss man diese Aussage je nach Konsumbereich differenzieren ? Wir haben nachgefragt:

Es gibt also durchaus Konsumbereiche, die mehr als das generelle Stichwort Konsum zur eigenen Selbstverwirklichung beitragen können. Es sind dies vor allem die Bereiche Gesundheit, Fitness und Wellness, Essen, Trinken und Genuss, Wohnen und Einrichten, Verkehr, Mobilität und Reisen, sowie, überraschend weit vorne platziert, das Internet.

Etwa im Schnitt allen Konsums liegen die Bereiche Print-Medien, Finanzen, elektronische Medien sowie alles, was mit Aussehen und Schönheit zu tun hat. (Dieser letzte Wert ist übrigens exakt identisch mit jenem für "Bekleidung und Styling" in der generellen Frage über die Bedeutung einzelner Lebensbereiche für die eigene Selbstverwirlichung)

Konsum spielt also für die Selbstverwirklichung keine entscheidende Rolle.

Und wie steht es mit der Wahl der richtigen Marken als Inhalt oder Ausdruck von Selbstverwirklichung ? Auch dazu haben wir zwei Fragen gestellt:

Das Fazit ist klar: Nur für eine kleine Minderheit ist die Wahl der richtigen Marken ein wichtiger Beitrag zur Selbstverwirklichung. Und für die Mehrheit schwankt die Einstufung zwischen "ein bisschen" und "etwas", das heisst, Marken sind nicht völlig unwichtig, aber auch nicht wirklich wichtig. An diesem Bild wird sich im nächsten Jahrzehnt so gut wie gar nichts ändern.

Exkurs über Marken

Nachdem wir schon beim Thema "Marken und Selbstverwirklichung" sind, lohnt sich ein kleiner Exkurs zur Frage, wie das Phänomen Marke von SensoNet bewertet wird:

Die Verhältnisse sind ziemlich klar: Es gibt sozusagen kaum absolute Markengegner und absolute Markenfans. Vielmehr hegt die Mehrheit Marken gegenüber gewisse Sympathien, dem Rest sind Marken als Thema schlicht egal. Hierin spiegelt sich eine vorsichtig positive Haltung gegenüber Marken.

An dieser Einschätzung hat sich in den letzten sechs Jahren praktisch nichts geändert. Deshalb erstaunt es wenig, dass man im Verhältnis zu Marken auch für die nächsten Jahre kaum Veränderungen vorhersieht. Beim Verhältnis zu Marken handelt es sich offensichtlich um ein sehr stabiles Phänomen, das kurzfristig kaum zu verändern ist.

Wie sieht dieses Verhältnis im Einzelnen aus ? Welche Argumente für und gegen Marken werden vorgebracht ? Dazu stand uns eine ebenfalls schon einmal verwendete Frage zur Verfügung. Wegen einer geringfügigen Veränderung in der Fragestellung sind die absoluten Nennwerte nicht vergleichbar, wir begnügen uns deshalb mit einem Vergleich der Rangierungen:

Mit welchen dieser Argumente für und gegen Marken sind Sie eher einverstanden ?

Mit welchen eher nicht ?

Argument

% 2004

Rang 2004

Rang 1998

es lebt sich auch ohne Marken-Mythos ganz prächtig

84%

  1

  1

Marken sind wie gute alte Bekannte

78%

  2

  5

bei Marken zahlt man immer einen Haufen überflüssiger Werbung mit

72%

  3

  3

auch hinter guten Marken verbirgt sich oft schlechte Qualität

69%

  4

  4

in starken Marken stecken immer auch Mythen und Gefühle, und beides braucht der Mensch einfach

63%

  5

  6

Marken sind in der Regel schlicht teurer als Vergleichsprodukte von absoult vergleichbarer Qualität, aber ohne teuren Namen

63%

  6

  2

Marken sind eine illusionäre Täuschung der Verbraucher

47%

  7

  8

das Getue um die Marken versperrt nur den Blick für die günstigsten Angebote

47%

  8

10

Marken schaffen Ordnung in einer unübersichtlichen Welt

39%

  9

  7

wenn man auf Marken steht, zeigt man, dass man keinen individuellen Geschmack hat

32%

10

13

mit guten Marken zeigt man einfach Stil

29%

11

  9

meine Beziehungen zu Marken sind ein nicht unwesentlicher Teil meiner Geschichte und Identität

25%

12

12

guten Marken kann man gleichsam blind vertrauen

20%

13

14

bei Marken weiss man immer, woran man ist

15%

14

11

Die rot gesetzen Argumente gegen Marken sind bekannt - und offenbar konstant: überteuert, zu viel Werbung, oft schlechte Qualität. Die Hälfte und mehr von SensoNet schliesst sich dieser Argumentation an.

Interessant sind die positiven Argumente für Marken (grün), die es auf deutliche Mehrheit an Zustimmung bringen: Es gehe dabei um Mythen und Gefühle, was der Mensch einfach brauche, und Marken seien wie gute alte Bekannte, ein Argument, das eine deutliche Aufwärtstendenz zeigt. Gute alte Bekannte muss man auch nicht unbedingt lieben, aber sie erzeugen ein Gefühl von Kontinuität im Leben. Und immerhin noch eine qualifizierte Minderheit steht auch zur ordnenden Funktion von Marken in einer unübersichtlichen Welt.

Damit steht fest: Auf einer rationalen Ebene lassen sich Marken nicht legitimieren. Ihre Legitimationsbasis liegt ausschliesslich auf der emotionalen Ebene. Und dort haben Marken durchaus ihre Chance, wie auch die abschliessende Frage zum Thema zeigt:

Wie nach den bisherigen Antworten kaum anders zu erwarten, wird den Marken eine mittelprächtige Zukunft prophezeit. Nur eine kleine Minderheit sieht die Marken auf dem absteigenden Ast, immerhin ein Viertel prophezeit ihnen gar eine glänzende Zukunft. Die Chancen für die Marken sind also da, sie brauchen sie nur zu nutzen.