Selbstverwirklichung
und Lebensqualität
Die
bisherigen Forschungen über Lebensqualität legen eine
Aufgliederung des Leitwerts Lebensqualität in sechs "Lebensqualitäts-Sphären"
nahe. Jede Sphäre wird durch jeweils drei Einzelwerte repräsentiert,
für die wir in der vorliegenden Studie sowohl die Bedeutung
(Soll) als auch die Realität (Ist) gemessen haben, ohne dass
für die Befragten die Einteilung in sechs Sphären ersichtlich
gewesen wäre. Bei der folgenden Auswertung nehmen wird diese
Einteilung jedoch vor:


Im
Ueberblick ergeben sich folgende Kennwerte (jeweils Durchschnittswerte
aus den drei Einzelwerten):
|
Lebensqualitäts-Sphäre
|
Soll
|
Ist
|
Differenz
|
|
Eigensinn
|
4.3
|
3.8
|
-0.5
|
|
Miteinander
|
4.3
|
3.5
|
-0.8
|
|
Unsichtbar
|
4.0
|
3.5
|
-0.5
|
|
Raum
|
3.8
|
3.7
|
-0.1
|
|
Zeit
|
3.9
|
3.5
|
-0.4
|
|
Balance
|
3.9
|
3.4
|
-0.5
|
Die
Zusammenfassung macht einmal mehr deutlich, dass Lebensqualität
tatsächlich aus verschiedenen Sphären besteht, die alle
von vergleichbarer Bedeutung sind: Alle Elemente liegen in ihrer
Bedeutung (Soll) nahe beisammen, im Durchschnitt rund um den Wert
"stark wichtig".
Nimmt
man den Sonderfall "dass die Lebensqualität möglichst
vieler Menschen stimmt", dessen Werte etwas aus dem Raster
fallen, aus der Wertung heraus, dann liegen die beiden ersten Sphären
dicht beisammen. Sowohl die Sphäre "Eigensinn", die,
wie wir noch sehen werden, weitgehend dem Wert "Selbstverwirklichung"
entspricht, als auch jene des "Miteinander" sind von grösster
Bedeutung für die eigene Lebensqualität.
Klar
macht die Uebersicht auch, dass es um die Lebensqualität von
SensoNet im Allgemeinen gut bestellt ist. Eine Differenzen zwischen
Ist und Soll besteht zwar, doch fällt sie im Schnitt moderat
aus. (Das gilt ohne den Sonderfall auch für die Sphäre
"Miteinander".) Das bedeutet: Es gibt zwar noch Optimierungsbedarf,
doch nirgendwo die Notwendigkeit von krassen Korrekturen.
Der
enge Zusammenhang zwischen Selbstverwirklichung und Lebensqualität
wird deutlich: Selbstverwirklichung, das heisst Eigen-Sinn, ist
eine elementare Voraussetzung von Lebensqualität.
Diese
Aussage wird durch eine direkte Frage bestätigt:

Mit
einem Durchschnittswert von 3.8 liegt Selbstverwirklichung also
im üblichen Rahmen: Ihre Bedeutung für die eigene Lebensqualität
wird als stark empfunden. Grund genug, sich dem Thema weiter zu
widmen.
Welche
Dynamik hat Selbstverwirklichung ? Wir haben danach rückwärts
wie vorwärts gefragt:

Die
Dynamik ist klar: Selbstverwirklichung ist in den letzten Jahren
wichtiger geworden, und diese Tendenz wird auch in den nächsten
zehn Jahren anhalten. Selbstverwirklichung als zentrales Element
von Lebensqualität bleibt trotzt einer vorübergehenden
Schwäche auf der Hitliste der wichtigen Werte weit oben.
Was
ist Selbstverwirklichung ?
Zunächst
galt es abzuklären, ob Selbstverwirklichung für SensoNet
überhaupt ein relevanter Begriff ist:

Die
Frage kann klar bejaht werden: Selbstverwirklichung ist ein Begriff,
mit dem SensoNet etwas anfangen kann.
Ist
Selbstverwirklichung mehr als ein frommer Wunsch ? Wir haben gefragt,
wie weit denn dieser Wunsch auch realisiert war, ist und sein wird:

Die
Diskrepanz zwischen idealer Selbstverwirklichung und tatsächlicher
ist in den letzten Jahren deutlich geschrumpft, und sie wird dies
in den nächsten zehn Jahren weiterhin tun. Damit herrscht in
Sachen Selbstverwirklichung bei SensoNet derselbe Optimismus wie
bei Lebensqualität: In beiden Fällen glaubt man, es lägen
weitere Optimierungsschritte drin.
Was
aber bedeutet Selbstverwirklichung eigentlich ? Wir haben SensoNet
dafür einige Statements zur Beurteilung vorgelegt:

Eines
steht fest: Selbstverwirklichung bedeutet keineswegs rücksichtslosen
Egoismus. Es geht vielmehr um die Realisierung seiner Talente, um
ein Leben nach eigenen Werten und um Freiheit. "Bauch"
und Gefühle sind zwar auch wichtig, werden aber keineswegs
verabsolutiert. Klar wird auch, dass Selbstverwirklichung keine
Zielsetzungen von aussen ("höherer Auftrag" bzw.
Normen von Anständigkeit) braucht und will.
Um
die Idee von Selbstverwirklichung noch besser zu verstehen, haben
wir auch gefragt, in welchen Lebensbereichen Selbstverwirklichung
wie wichtig sei, und stellen diesen Soll-Werten wieder die entsprechenden
ist-Werte genüber.

Es
sind drei "innere" Lebensbereiche, welche die Spitzenplätze
belegen: geistiges Leben, Werte und Glauben, sowie Lebensziele.
Hier wird entscheidend entschieden, ob Selbstverwirklichung realisiert
werden kann.
Es
folgt ein breites Mittelfeld mit den Lebensbereichen Liebesbeziehung,
Beruf, Freizeit, Familie, eigene vier Wände sowie Freundeskreis.
Auch in diesen Bereichen ist Selbstverwirklichung wichtig, wenn
auch etwas weniger als in den inneren Bereichen.
Deutlich
abgeschlagen sind Konsum, Styling, Politik und Markenwahl. Ein Einfluss
dieser Lebensbereiche auf Selbstverwirklichung wird zwar wahrgenomen,
jedoch nur in sehr mässigem Ausmass, vor allem, wenn man sie
mit den wirklich wichtigen vergleicht.
Bei
den Abweichungen zwischen Soll und Ist ergeben sich ähnliche
eher geringfügige Diskrepanzen wie bei der entsprechenden Frage
zu Lebensqualität. Im Grossen und Ganzen wird bestätigt,
dass die vorhandenen Wünsche an Selbstverwirklichung zum überwiegenden
Teil erfüllt sind.
Auffällig:
In den Bereichen Konsum, Styling und Markenwahl ergibt sich sogar
eine positive Diskrepanz, das heisst, man hat hier sogar mehr Selbstverwirklichung
als man eigentlich will. Das bedeutet, dass kaum jemand irgendetwas
tun wird, um hier zu noch mehr Selbstverwirklichung zu kommen, schliesslich
hat man davon schon mehr als genug.
Selbstverwirklichung
und Konsum
Konsum
gehört, wie wir gesehen haben, nicht zu jenen Lebensbereichen,
die für die eigene Selbstverwirklichung matchentscheidend sind.
Kann und muss man diese Aussage je nach Konsumbereich differenzieren
? Wir haben nachgefragt:

Es
gibt also durchaus Konsumbereiche, die mehr als das generelle Stichwort
Konsum zur eigenen Selbstverwirklichung beitragen können. Es
sind dies vor allem die Bereiche Gesundheit, Fitness und Wellness,
Essen, Trinken und Genuss, Wohnen und Einrichten, Verkehr, Mobilität
und Reisen, sowie, überraschend weit vorne platziert, das Internet.
Etwa
im Schnitt allen Konsums liegen die Bereiche Print-Medien, Finanzen,
elektronische Medien sowie alles, was mit Aussehen und Schönheit
zu tun hat. (Dieser letzte Wert ist übrigens exakt identisch
mit jenem für "Bekleidung und Styling" in der generellen
Frage über die Bedeutung einzelner Lebensbereiche für
die eigene Selbstverwirlichung)
Konsum
spielt also für die Selbstverwirklichung keine entscheidende
Rolle.
Und
wie steht es mit der Wahl der richtigen Marken als Inhalt oder Ausdruck
von Selbstverwirklichung ? Auch dazu haben wir zwei Fragen gestellt:

Das
Fazit ist klar: Nur für eine kleine Minderheit ist die Wahl
der richtigen Marken ein wichtiger Beitrag zur Selbstverwirklichung.
Und für die Mehrheit schwankt die Einstufung zwischen "ein
bisschen" und "etwas", das heisst, Marken sind nicht
völlig unwichtig, aber auch nicht wirklich wichtig. An diesem
Bild wird sich im nächsten Jahrzehnt so gut wie gar nichts
ändern.
Exkurs
über Marken
Nachdem
wir schon beim Thema "Marken und Selbstverwirklichung"
sind, lohnt sich ein kleiner Exkurs zur Frage, wie das Phänomen
Marke von SensoNet bewertet wird:

Die
Verhältnisse sind ziemlich klar: Es gibt sozusagen kaum absolute
Markengegner und absolute Markenfans. Vielmehr hegt die Mehrheit
Marken gegenüber gewisse Sympathien, dem Rest sind Marken als
Thema schlicht egal. Hierin spiegelt sich eine vorsichtig positive
Haltung gegenüber Marken.
An
dieser Einschätzung hat sich in den letzten sechs Jahren praktisch
nichts geändert. Deshalb erstaunt es wenig, dass man im Verhältnis
zu Marken auch für die nächsten Jahre kaum Veränderungen
vorhersieht. Beim Verhältnis zu Marken handelt es sich offensichtlich
um ein sehr stabiles Phänomen, das kurzfristig kaum zu verändern
ist.
Wie sieht dieses Verhältnis
im Einzelnen aus ? Welche Argumente für und gegen Marken werden
vorgebracht ? Dazu stand uns eine ebenfalls schon einmal verwendete
Frage zur Verfügung. Wegen einer geringfügigen Veränderung
in der Fragestellung sind die absoluten Nennwerte nicht vergleichbar,
wir begnügen uns deshalb mit einem Vergleich der Rangierungen:
Mit welchen dieser
Argumente für und gegen Marken sind Sie eher einverstanden
?
Mit welchen eher nicht
?
|
Argument
|
%
2004
|
Rang
2004
|
Rang
1998
|
|
es
lebt sich auch ohne Marken-Mythos ganz prächtig
|
84%
|
1
|
1
|
|
Marken
sind wie gute alte Bekannte
|
78%
|
2
|
5
|
|
bei
Marken zahlt man immer einen Haufen überflüssiger
Werbung mit
|
72%
|
3
|
3
|
|
auch
hinter guten Marken verbirgt sich oft schlechte Qualität
|
69%
|
4
|
4
|
|
in
starken Marken stecken immer auch Mythen und Gefühle,
und beides braucht der Mensch einfach
|
63%
|
5
|
6
|
|
Marken
sind in der Regel schlicht teurer als Vergleichsprodukte von
absoult vergleichbarer Qualität, aber ohne teuren Namen
|
63%
|
6
|
2
|
|
Marken
sind eine illusionäre Täuschung der Verbraucher
|
47%
|
7
|
8
|
|
das
Getue um die Marken versperrt nur den Blick für die günstigsten
Angebote
|
47%
|
8
|
10
|
|
Marken
schaffen Ordnung in einer unübersichtlichen Welt
|
39%
|
9
|
7
|
|
wenn
man auf Marken steht, zeigt man, dass man keinen individuellen
Geschmack hat
|
32%
|
10
|
13
|
|
mit
guten Marken zeigt man einfach Stil
|
29%
|
11
|
9
|
|
meine
Beziehungen zu Marken sind ein nicht unwesentlicher Teil meiner
Geschichte und Identität
|
25%
|
12
|
12
|
|
guten
Marken kann man gleichsam blind vertrauen
|
20%
|
13
|
14
|
|
bei
Marken weiss man immer, woran man ist
|
15%
|
14
|
11
|
Die
rot gesetzen Argumente gegen Marken sind bekannt - und offenbar
konstant: überteuert, zu viel Werbung, oft schlechte Qualität.
Die Hälfte und mehr von SensoNet schliesst sich dieser Argumentation
an.
Interessant
sind die positiven Argumente für Marken (grün), die es
auf deutliche Mehrheit an Zustimmung bringen: Es gehe dabei um Mythen
und Gefühle, was der Mensch einfach brauche, und Marken seien
wie gute alte Bekannte, ein Argument, das eine deutliche Aufwärtstendenz
zeigt. Gute alte Bekannte muss man auch nicht unbedingt lieben,
aber sie erzeugen ein Gefühl von Kontinuität im Leben.
Und immerhin noch eine qualifizierte Minderheit steht auch zur ordnenden
Funktion von Marken in einer unübersichtlichen Welt.
Damit
steht fest: Auf einer rationalen Ebene lassen sich Marken nicht
legitimieren. Ihre Legitimationsbasis liegt ausschliesslich auf
der emotionalen Ebene. Und dort haben Marken durchaus ihre Chance,
wie auch die abschliessende Frage zum Thema zeigt:

Wie
nach den bisherigen Antworten kaum anders zu erwarten, wird den
Marken eine mittelprächtige Zukunft prophezeit. Nur eine kleine
Minderheit sieht die Marken auf dem absteigenden Ast, immerhin ein
Viertel prophezeit ihnen gar eine glänzende Zukunft. Die Chancen
für die Marken sind also da, sie brauchen sie nur zu nutzen.