Lebenssinn
ist ein Wert, der uns bereits bei der Frage nach den Luxuswerten
als wichtig und wertvoll aufgefallen war. Er ist offenkundig in
den letzten Jahren wichtiger geworden. Sinnfragen werden immer mehr
zum Thema. Und auch die Antworten, wie die folgende Frage im Zeitvergleich
zeigt:
Könnte man sagen, dass Ihr Leben einen Sinn hat
(oder auch mehrere "Sinne") ?
Sinnfragen
sind demnach für fast alle ein Thema. Eine Mehrheit hat genug
Sinn, eine Minderheit hätte gern noch etwas mehr, wobei die
Sättigungstendenz in den acht Jahren zwischen den beiden Erhebungen
leicht zugenommen hat.
Was
Sinn ist, entzieht sich selbst für die grössten Philosophen
einer halbwegs intakten Defintion, wir haben bei SensoNet deshalb
zum vornherein darauf verzichtet, danach zu fragen. Fragen lässt
sich dagegen sehr wohl nach Sinn-Quellen. Und hierbei sind
äusserst interessante Entwicklungen festzutsellen:
Wo
tanken Sie bevorzugt Sinn ?
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2005
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1997
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in
meinem eigenen Inneren
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94%
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67%
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in
meinen Beziehungen zu anderen Menschen
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93%
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92%
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im
Naturerleben
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79%
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65%
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im
schöpferischen Tun
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77%
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46%
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in
meiner persönlichen Geschichte
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75%
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32%
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in
Kunst und Kultur
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67%
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42%
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in
den Wissenschaften
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58%
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31%
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in
der Philosophie
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57%
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29%
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in
der allgemeinen Geschichte
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33%
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13%
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im
religiösen Glauben
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32%
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11%
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in
Esoterik und Spiritualität
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30%
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18%
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in den Geheimnissen
der Evolution
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26%
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13%
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Bei
kaum einer anderen Frage, die wir im Laufe der Zeit bei SensoNet
beobachten konnten, ergaben sich so deutliche Veränderungen
wie hier. Die wichtigsten davon sind:
-
Alle Sinn-Quellen
werden heute deutlich stärker genutzt als vor acht Jahren,
mit einer einzigen Ausnahme (Beziehungen), wo eine Steigerung kaum
noch möglich war.
-
Das, was
wir bisher mehrfach "Eigen-Sinn" genannt haben, hat in
dieser knappen Dekade eine geradezu sensationelle Steigerung erfahren.
Für praktsch alle ist heute das eigene Innere eine bevorzugte
Sinn-Quelle - vor acht Jahren war das gerade mal bei zwei Dritteln
der Fall. Ebenso bedeutsam ist der Wertzuwachs der Sinn-Quelle "eigene
persönliche Geschichte". Vor acht Jahren war das für
einen Drittel eine bevorzugte Ressource von Sinn, heute sind es
drei Viertel ! Zumindest bei unserer Bewusstseins-Elite bedeutet
dies den endgültigen Durchbruch der Individualisierung, indem
das individuelle Eigene zu einer zentralen Quelle von Sinn geworden
ist.
-
Voll betsätigt
wird allerdings auch, dass Individualismus hier zu Lande Soft-Individualismus
bedeutet. Die überragende Bedeutung der zwischenmenschlichen
Beziehungen als Sinnquelle hat sich ja absolut nicht geändert,
sie ist jetzt gleichwertig wie der Eigen-Sinn. Sinn bedeutet heute
ganz selbstverständlich ein entschiedenes sowohl (Eigen-Sinn)
als auch (Miteinander).
-
Eine sehr
deutliche Zunahme hat auch die Sinn-Ressource "schöpferisches
Tun" erfahren. Kreativität wird endgültig zu einem
wertvollen Wert.
-
Die deutlich
höhere Bewertung der Sinn-Quellen im eigenen Inneren hat nicht
etwa dazu geführt, dass "äussere" Sinn-Quellen
abewertet wurden. Das Gegenteil ist der Fall: Nicht nur "Naturerleben"
hat zugelegt, sondern vor allem auch Kunst und Kultur, Wissenschaften
und Philosophie - alles Sinn-Quellen, die mittlerweile von einer
Mehrheit von SensoNet zu den bevorzugten gezählt werden ! Sicher
kann dagegen eingewendet werden, SensoNet repräsentiere einen
intellektuellen Ausschnitt aus der Bevölkerung, und zweifellos
wären diese Werte deutlich tiefer, wenn man alle gefragt hätte.
Doch als Trend-Setter bestätigen die Mitglieder von SensoNet
einen weiteren von Matthias Horx ausgerufen Trend: EVOLUMANIA (Trend-Report
2005). Demnach ist ein wachsendes Interesse an den Themen Wissenschaft
und Philosophie feststellbar, insbesondere auch am Thema Evolution.
Nun dienen zwar selbst bei SensoNet "die Geheimnisse der Evolution"
nur einem Viertel als bevorzugte Sinn-Quelle, doch diese Zahl hat
sich in den letzten acht Jahre fast verdoppelt, was auf einen echten
Trend verweist.
-
Noch höhere
Zuwachsraten weist "allgemeine Geschichte" auf. Immerhin
ein Drittel sieht auch darin eine gute Sinn-Quelle. Das bedeutet
keine Abwendung von der Zukunft, vielmehr eine Umsetzung der Erkenntnis,
wonach Zukunft Herkunft braucht. Und passt dazu, dass wir in einer
separaten Studie ("Zeiten-Wende", Kompaktstudie, Zukunftsinstitut
2004) festgestellt haben, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft würden
von den Menschen immer mehr zu einer eigentlichen Fliesszeit integriert.
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Sehr deutlich
ist die (Wieder-)Erstarkung von Religion als Sinn-Quelle. Zwar erreichen
wir damit noch längst keine amerikanischen Verhältnisse,
aber Religion hat offensichtlich eine gewisse Renaissance erfahren.
Dabei ist festzuhalten, dass mit Religion nicht mehr unbedingt ein
geschlossenes Glaubenssystem gemeint sein muss, es kann sich auch
um Patchwork-Religion aus verschiedenen Versatzsstücken handeln.
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Anders
als vor acht Jahren liegt "religiöser Glaube" als
Sinn-Quelle diesmal vor "Spiritualität und Esoterik",
obwohl auch diese Ressource eine Wertsteigerung erfahren hat. Noch
weniger als Religion ist diese Quelle exakt zu fassen. Feststellbar
aber ist eindeutig, dass auch spirituelle Sinn-Quellen an Wert gewonnen
haben.
Sinnfragen
sind wichtiger geworden, doch vor allem sprudeln offenbar alle denkbaren
Sinn-Quellen reicher. Das könnte die Werte-Landschaften nachhaltig
verändern.