Werte
werden was wert !
Stimmt
diese These ? Und auf welchen Gebieten ? Hier die Antworten von
SensoNet und jene auf eine identische Frage an MARKETING MORGEN:

Je
näher ein Bereich beim Zentrum der individuellen Lebensgestaltung
liegt, desto bedeutsamer sind dafür die Werte. Konsum gehört
nicht in dieses Zentrum, sondern an die Peripherie. Entsprechend
tief ist, relativ gesehen, die Bedeutung von Werten für den
Konsum.
Das
sehen nicht nur die Konsumenten so, sondern, wenn auch mit leichten
Akzentverschiebungen, die Experten von MARKETING MORGEN. Überhaupt
stimmen die Sichtweisen der beiden Gruppen in ertaunlichem Mass
überein.
Die
persönliche und gesellschaftliche Bedeutung von Werten

Die
persönliche Bedeutung der Werte ist für MARKETING MORGEN
beinahe gleich hoch wie für SensoNet, und auch die Dynamik
stimmt weitgehend überein. Gilt das auch, wenn nach der gesellschaftlichen
Bedeutung von Werten gefragt wird ?

Ergebnis:
Wieder weitgehende Deckungsgleichheit, auch wenn auffällt,
dass die Marketing-Menschen wie schon bei der ersten Frage eine
Spur optimistischer sind. Der Gesamtbefund ist also klar: Der Wert
der Werte, persönlich wie gesellschaftlich, wird von den beiden
Avantgarden von Markt und Marketing fast identisch eingestuft.
Geteilte
Werte sind doppelte Werte
Alle
unsere Beziehungen sind das Ergebnis eines Auswahlsprozesses. Wir
könnten, auf allen Ebenen, viel mehr Beziehungen eingehen als
wir wirklich können, weil uns dazu die Kapazitäten fehlen.
Somit müssen wir uns ständig entscheiden, welche Beziehungen
wir neu eingehen, aufrechterhalten oder beenden wollen.
Für
diese Auswahlprozesse brauchen wir wie immer Entscheidungskriterien.
Das können im Falle von Beziehungen etwa Nutzenerwägungen
sein (was nützt mir diese Beziehung ?) oder emotioale Reaktionen
(ist mir der Partner sympathisch ?). Und: Auch Werte könnten
eine Rolle spielen, genauer gesagt, geteilte Werte.
Wenn
ich mit einem Beziehungspartner wichtige Werte teile, schafft das
nicht nur eine gemeinsame Identität. Es erleichtert vielmehr
dank der Verlässlichkeit eines Partners mit geteilten Werten
auch die Bildung des wichtigsten Kapitals jeder Beziehung: Vertrauen.
Die Hypothese ist daher naheliegend, wonach Menschen ihre Beziehungen
(auch) danach aussuchen, ob ihre Beziehungspartner ähnliche
Werte haben wie sie selbst.
Wir
haben diese Hypothese mit einer differenzierten Frage überprüft.
Es stehen uns dafür vier Datensätze zur Verfügung,
nämlich SensoNet im Zeitvergleich zwischen 2003 und 2005, sowie
MARKETING MORGEN, einmal mit einer Projektion auf den Markt, und
einmal mit der Einstufung ihrer eigenen Sicht:
Ob
jemand (oder etwas) dieselben (oder jedenfalls ähnliche) Werte
verkörpert, die einem selber viel bedeuten, kann ein mehr oder
weniger wichtiges Entscheidungskriterium bei Auswahlprozessen sein.
Bitte klicken Sie jeweils an, wie wichtig Ihnen beim betreffenden
Auswahlprozess eine Übereinstimmung der Werte ist. (P.S. Die
weiblichen Formen sind ausschliesslich aus Platzgründen weggelassen
worden...)
*Und
was glauben Sie: Wie wichtig sind ähnliche Werte den Konsumentinnen
und Konsumenten bei diesen Entscheidungen ?
1
= unwichtig; 2 = weniger wichtig; 3 = auch wichtig; 4 = wichtig;
5 = sehr wichtig
| |
SensoNet
2005
|
SensoNet
2003
|
MARKETING
MORGEN Projektion*
|
MARKETING
MORGEN selber
|
|
Lebenspartner
|
4.4
|
4.6
|
4.1
|
4.7
|
|
Gute
Freunde
|
4.1
|
4.3
|
4.0
|
4.3
|
|
unterstützte
Organisationen
|
4.1
|
4.0
|
3.4
|
4.1
|
|
Vertrauensarzt
|
3.8
|
3.7
|
3.7
|
3.9
|
|
Politiker,
Parteien
|
3.7
|
3.7
|
3.2
|
3.6
|
|
Arbeitgeber,
Geschäftspartner
|
3.5
|
3.6
|
3.2
|
4.0
|
|
Lieblingszeitung
|
3.5
|
3.3
|
2.9
|
3.2
|
|
Ferienziel
|
3.1
|
3.2
|
3.0
|
3.2
|
|
Bank
|
2.8
|
2.8
|
2.7
|
2.9
|
|
Supermarkt
|
2.7
|
2.5
|
2.6
|
3.0
|
|
entfernte
Bekannte
|
2.7
|
2.6
|
2.9
|
2.9
|
|
TV-Sender
|
2.7
|
2.4
|
2.6
|
2.5
|
|
Automarke
|
2.5
|
2.3
|
3.1
|
2.7
|
|
Reiseveranstalter
|
2.4
|
2.3
|
2.4
|
2.3
|
|
Telekommunikationsmarke
|
2.1
|
---
|
2.3
|
2.4
|
|
Bekleidungsmarke
|
2.2
|
2.1
|
2.9
|
2.3
|
|
Benzinmarke
|
2.0
|
1.6
|
2.1
|
1.9
|
Vergleichen
wir zunächst die einzelnen Spalten:
-
Bei SensoNet
hat sich in knapp zwei Jahren wenig verschoben, die kleinen Abweichungen
liegen innerhalb des zufälligen Streubereichs. Deutliche Verschiebungen
waren hier auch nicht zu erwarten, Werte sind ein relativ stabiles
Konstrukt.
-
Auch der
Vergleich zwischen SensoNet und der Selbsteinstufung von MARKETING
MORGEN (letzte Spalte) zeigt kaum Abweichungen. Nur bei der Wahl
von Arbeitgeber oder Geschäftspartnern ist dieÄhnlichkeit
der Werte für die Marketing-Leute deutlich wichtiger als für
SensoNet, was aber auch einfach daran liegen mag, dass diese aktiven
Fachleute insgesamt stärker in das Geschäftsleben eingebunden
sind. Ansonsten bestätigt sich: Die Zukunfts-Elite aus dem
Marketing tickt ziemlich genau gleich wie jene aus dem Markt.
-
Und beide Eliten haben sich - jedenfalls nach Einschätzung
von MAREKTIG MORGEN - auch nicht weit von ihrer Basis, also vom
Gesamtmarkt, entfernt. Auch für die Gesamtheit der Konsumentinnen
und Konsumenten vermutet MAREKTING MORGEN eine ähnliche
Bedeutung geteilter Werte als Auswahlkriterium wie bei sich selbst,
und wie damit bei SensoNet als Vertretung der Avantgarde der Konsumenten.
Kleine Ausnahmen (unterstützte Organisationen, Automarke und
Bekleidungsmarke) bestätigen die Regel.
-
Insgesamt
zeigen die vier Datensätze also ein weitgehend ähnliches
Bild, das wir somit als Gesamtheit betrachten können.
Dieses
Gesamtbild ist differenziert: Eine Übereinstimmung der Werte
mit Beziehungspartnern ist je nach Bereich im Schnitt zwischen "weniger
wichtig" bis fast schon "sehr wichtig". Dabei bestþtigt
sich eine Regel: Je zentraler ein Lebensbereich für das Individuum
ist, desto wertvoller werden dafür Werte. Deshalb sind geteilte
Werte bei der Wahl eines Lebenspartners oder auch von guten Freunden
unendlich viel wichtiger als bei der Wahl einer Bekleidungs- oder
gar Benzinmarke.
Ebenfalls
bestätigt wird, dass Konsum in der Regel nicht zu den zentralen
Lebensbereichen gehört. Entsprechend sind geteilte Werte bei
allem, was mit Konsum zu tun hat, nicht von überragender Bedeutung.
Immerhin: Bei einigen
der getesteten Konsumbereiche wird übereinstimmend festgestellt,
ähnliche Werte seinen "auch wichtig": Parteien, Zeitungen,
Ferienziel, Bank, Supermarkt und TV-Sender. Und selbst wenn die
durchschnittliche Einstufung in anderen Konsumbereichen bei "weniger
wichtig" liegt, so ist dies doch ein deutlicher Unterschied
zu "unwichtig".
In
weitgehend gesättigten Märkten, die auf der Ebene von
Produkten oder Dienstleistungen kaum noch Differenzierungsmöglichkeiten
bieten, können auch scheinbar weniger wichtige Unterscheidungskriterien
wie etwa Werte plötzlich matchentscheidend werden. Die Idee
von den geteilten als den doppelten Werten jedenfalls verdient es
auch im Lichte der Ergebnisse dieser Frage, weiterhin beachtet zu
werden.
Werte
als entscheidender Unterschied
Aber
fragen wir doch die Avantgarde der Konsumenten selber - und mit
ihr auch jene des Marketings:

Hier
decken sich die beiden Bilder nicht vollständig, was daran
liegt, dass MARKETING MORGEN die Gesamtheit der Konsumenten beschreibt,
während SensoNet über sich selbst als Avantgarde dieser
Konsumenten Auskunft gibt. Aber die Aussage ist dennoch klar: Werte
sind sicher nicht das wichtigste Entscheidungskriterium, aber für
viele ein wichtiges unter anderen. Und für den grossen Rest
werden Werte dann wichtig, wenn die Angebote sonst identisch sind
- eine Marktsituation, die in Zukunft noch vermehrt zu erwarten
ist.
Der
Schluss ist eindeutig: Werte sind schon heute ein wichtiges Entscheidungskriterium
beim Konsum. Und sie werden, als Zünglein an der Waage in Pattsituationen,
an Wert weiter gewinnen.
Wie
kommen Werte rüber?
Damit
es zwischen Kunden und Anbietern eine Beziehung geben kann, die
(auch) auf geteilten Werten beruht, müssen die Kunden erst
einmal wahrnehmen, welche Werte eine Marke oder Firma verkörpert.
Wie tun sie das ? Wir haben auch danach gefragt:

Hier
fällt auf, dass es zum ersten Mal deutliche Unterschiede zwischen
den beiden Profilen zu registrieren gilt. Das muss nicht bedeuten,
dass unsere Gewährsleute aus dem Marketing die Einstellungen
der Konsumenten falsch einschätzt. Schliesslich haben wir sie
nach allen Konsumenten gefragt, wþhrend SensoNet "nur"
sich selbst als die Avantgarde beschreibt. Da jedoch die kulturelle
Evolution aller Wahrscheinlichkeit nach sich in die von SensoNet
vorgegebene Richtung bewegen wird, sei nachdrücklich empfohlen,
das von SensoNet gezeichnete Bild ernst zu nehmen.
Um
dieses Bild besser zu verstehen, lohnt es sich, die einzelnen "Kanþle",
über die Werte rüberkommen, zu gruppieren. Daraus ergibt
sich ein Modell mit vier Sphären, nþmlich einem Kern in der
Mitte und drei Kugelschalen darum herum:
Werte
haben
Im
Kern der Kugel stecken die tatsächlich vorhandenen Werte einer
Marke oder Firma, denn wer keine Werte hat, kann auch keine rüber
bringen. Bei diesem Kern handelt es sich um eine black box: Wer
sich nicht gerade im inneren Verantwortlichkeitsbereich für
Marke oder Firma aufhält, hat keinen Einblick. Normale Konsumentinnen
und Konsumenten können nicht sehen, welche Werte eine Marke
oder Firma hat. Sie müssen deshalb auf Grund ihres Eindrucks
von den drei äusseren Schalen darauf indirekt schliessen.
Werte
verkörpern
Verkörpern
ist ein schönes Wort: Etwas Unsichtbares wie Werte nimmt Gestalt
und Form an und wird dadurch sichtbar und fassbar. Beim Konsum geschieht
dies entweder ganz wörtlich in Form eines materiellen Produkts,
oder aber in Form von konkreten Menschen, welche für den Konsumenten
eine Dienstleistung erbringen. Produkt und Service sind direkt fassbare
Verkörperungen der Werte einer Marke oder einer Firma. Deshalb
liegt die Sphäre der verkörperten Werte am nächsten
beim Kern.
Fünf
Punkte in unserer Frage beschreiben diese Sphäre:
-
Qualität
von Produkten und Service
-
Benutzerfreudlichkeit
-
Respektvolle
Behandlung der Kunden
-
Kompetenz
der Mitarbeiter
-
Freundlichkeit
der Mitarbeiter
Alle
fünf Punkte sind für SensoNet extrem wichtig, wenn diese
Konsumentinnen und Konsumenten wissen wollen, welche Werte eine
Marke verkröpert. Sie stehen geschlossen an der Spitze der
Rangliste. Woraus geschlossen werden kann, dass die direkte Verkörperung
der Werte einer Marke durch Produkt und MitarbeiterInnen für
die Konsumenten bei weitem die wichtigste Informationsquelle über
die Werte einer Marke ist.
Das
sieht zwar auch das Marketing so, aber es schätzt die Bedeutung
dieser Sphäre von verkörperten Werte tendenziell doch
zu tief ein.
Werte
leben
Wir
haben bewusst immer von den Werten einer Marke oder Firma gesprochen,
denn hinter jeder Marke steckt eine Firma, und das wird von Konsumenten
sehr wohl wahrgenommen. Und zwar in zunehmenden Masse, gefördert
nicht zuletzt von den dank Internet wesentlich besseren Möglichkeiten,
an einschlägige Informationen zu kommen.
So
wird immer stärker wahrgenommen, welche Werte ein Unternehmen
nicht bloss verkündet, sondern tatsächlich auch lebt.
Dabei dominieren vier Beobachtungsfelder:
-
Umgang
mit der Umwelt
-
Umgang
mit den MitarbeiterInnen
-
Ethik (z.B.
fair trade)
-
Nachhaltigkeit
Wenn
unsere Konsumenten-Vorhut von SensoNet wissen will, welche Werte
eine Firma verkörpert, dann schaut sie genau darauf, welche
Werte in diesen vier Feldern gelebt werden. Wohl ist diese Wissensquelle
nicht ganz so wichtig wie die unmittelbare Werte-Verkörperung
durch Produkt und Dienstleistung, aber wichtig ist sie allemal.
MARKETING
MORGEN schätzt die Bedeutung der Sphþre der gelebten Werte
durchgehend deutlich tiefer ein als SensoNet. Es mag sein, dass
der Durchschnittskonsument hier tatsächlich noch ganz so weit
ist wie SensoNet. Doch er wird aufholen.
Werte
vermitteln
Werte
werden natürlich auch in den klassischen Kommunikatioskanälen
einer Marke oder einer Firma vermittelt, als da wären Design,
Sponsoring, Leitbilder und Broschüren, Internet und Werbung.
Für die kritischen Konsumentinnen und Konsumente von SensoNet
läuft diese Sphäre allerdings nur unter "auch wichtig".
Das
ist keineswegs zu unterschätzen: Wenn die in diesen Kanälen
vermittelten Werte kongurent sind mit jenen, welche in Produkt und
Service verkörpert sind, und jenen, die das Unternehmen lebt,
können diese medialen Botschaften eine willkommene Verstärkung
sein.
Stimmen
die Werte der äusseren Sphären allerdings nicht mit jenen
der inneren überein, so wird der Gesamteindruck immer von den
inneren Sphären bestimmt werden. Die kreativste Werbung, der
informativste Internet-Auftritt und das beste Design der wohlklingendsten
Hochglanzbroschüren helfen gar nichts, wenn das Produkt nicht
stimmt oder die Firma die falschen Werte lebt.
Im
reflektierten Teil des Marketings, wie er von MARKETING MORGEN verkörpert
wird, weiss man um diese Hierarchien sehr wohl Bescheid. Als Informationsquellen
über die von einer Marke verkörperten Werte werden allerdings
Design, Internet und Werbung verglichen mit der Selbsteinstufung
von SensoNet eher überschätzt, wohingegen Förderung
und Sponsoring eher unterschätzt wird.